Museum Ludwig: Francis Alÿs – Kids Take Over
Das Museum Ludwig präsentiert mit Francis Alÿs – Kids Take Over eine außergewöhnliche Ausstellung, in der Kinder im Mittelpunkt stehen. Der international hoch renommierte Künstler Francis Alÿs hatte große Einzelausstellungen im MoMA in New York, in der Tate in London, in zahlreichen Museen, darunter in Houston, Shanghai, Mexico City, Basel und auf der Biennale in Venedig 2022. 2023 erhielt er den Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig.
30 Videoarbeiten und Gemälde seiner Serie Children’s Games mit spielenden Kinder aus der ganzen Welt sind nun im Museum Ludwig zu sehen. Durch ein Outreach-Projekt mit Kölner Kindern wird diese Präsentation um eine partizipative Dimension erweitert.
Kinderspiele aus unterschiedlichsten Regionen der Welt
Francis Alÿs (*1959 Antwerpen, lebt in Mexiko-Stadt) dokumentiert seit 25 Jahren Kinderspiele aus unterschiedlichsten Regionen der Welt. Seine Arbeit zeigt Kinder unter anderem beim Seilspringen, Reifenjagen oder bei Schneeballschlachten – in unterschiedlichen Klimazonen, in Städten und auf dem Land, in Steppen oder Wäldern. Einige Spiele sind uns allen bekannt, bei anderen erschließen sich die Regeln erst nach einer Weile.
Die Konzentration und Aufregung der Kinder, ihre Freude und Anspannung ist universell. Vielen Filmen ist durch die Landschaften und das Analoge der Spiele eine gewisse Zeitlosigkeit zu eigen. Andere, die z.B. das Fangenspiel mit Maske während der Covid-Pandemie zeigen, sind zeitgebundener, ebenso die kürzlich in der Ukraine entstandenen Werke, wo die Kinder den Krieg in ihre Spiele integrieren. Manchmal tauchen geopolitische Machtverhältnisse und koloniale Ungleichheiten auf. So rollen Kinder im Kongo in einem alten Autoreifen einen Berg runter, der sich bei näherem Hinsehen als Abraumhalde einer Kobaltmine herausstellt.
Kreativität, Resilienz und tiefe Verbundenheit der Kinder
Alÿs‘ Children’s Games zeugen von Kreativität, Resilienz und der tiefen Verbundenheit der Kinder, von Spiel als beinahe utopischer Ausdruck von Gemeinschaft und Tradition über kulturelle und klimatische Unterschiede hinweg.
Eine Besonderheit der Ausstellung ist die partizipative Zusammenarbeit mit Kindern aus Köln: Francis Alÿs hat einen Teil der Ausstellungsräume an sie übergeben. 50 Schülerinnen und Schüler, die wie die Kinder in den Filmen 8 bis 13 Jahre alt sind, gestalten hier gemeinsam eine Spielzone und ein Kindermuseum. Über ein Jahr lang haben die Klassen 3b der Gemeinschaftsgrundschule Köln-Lindweiler und der 6a/b der Adolph Kolping-Hauptschule in Köln-Kalk an diesem Ausstellungsprojekt gearbeitet. Aus der Sammlung des Museums wählten sie Kunstwerke für das von ihnen kuratierte Kindermuseum aus. Ihr Museum sowie die freie Spielzone sind ein Experiment von Kindern für Kinder: Sie kommentieren die Gemälde, Skulpturen und Videoarbeiten aus ihrer Perspektive und laden zum Gucken und Mitmachen ein.
Bisher größtes Outreach-Projekt im Museum Ludwig
Mit Francis Alÿs – Kids Take Over verwirklicht das Museum Ludwig sein bisher größtes Outreach-Projekt. Während der Ausstellung werden viele Kinder das Museum besuchen, über hundert ausgewählte Klassen lädt das Museum zu ihrem ersten Museumsbesuch ein und übernimmt die Fahrtkosten, die für viele ein Hindernis darstellen.
Die Ausstellung verwandelt das Museum Ludwig in einen Ort, an dem globale und lokale Perspektiven zusammengeführt werden. Sie lädt dazu ein, die Kraft der Kunst und des Spiels zu entdecken und die Perspektive von Kindern, die Stimmen der Zukunft, zu würdigen und durch sie das Museum neu zu erleben.
Darüber hinaus realisiert Francis Alÿs einen neuen Film mit den Kölner Kindern, der als Teil der Children’s Games im Juni seine Premiere in der Ausstellung hat.