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Design: Spielzeug der Zukunft

Interview mit Stefan Diez
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Spielwarenmesse:

Herr Diez, Sie haben drei Kinder, sind also Experte, was Spielzeug betrifft. Die Frage ist deshalb naheliegend. Was macht für Sie gutes Spielzeug aus?

Stefan Diez
Stefan Diez betreibt sein Designstudio in München.

Stefan Dietz:

Gutes Spielzeug ist für mich eines, das möglichst wenig fertig ist, das inspiriert, das verwandelt und umgebaut werden möchte. Gutes Spielzeug hat viel mit dem Auslösen von Vorfreude im Kind und vielleicht auch bei Erwachsenen zu tun.

Worin bestehen die Herausforderungen bei Spielzeugdesign? Ist es die Integration von Mikroelektronik?

Stefan Diez:

Ein Problem der Integration von Elektronik ist deren kurze Halbwertzeit. In dem Augenblick, wo Steuerungselektronik eingebaut wird, haben Spielsachen eine sehr viel kürzere Lebensdauer. Mit Software ist es ähnlich. In unserer Arbeit im Studio versuchen wir, zwischen Hardware und Software zu trennen oder die Elektronik so zu integrieren, dass sich möglichst alles trennen und immer wieder updaten lässt.

Stefan Diez

Was mir bei Spielsachen immer wieder auffällt, ist, das zu viel vorgedacht wird.

Stefan Diez

Also nicht die Elektronik ist das Problem, sondern die Konzeption?

Stefan Diez:

Ich finde es wichtig, dass Elektronik Einzug ins Spielzeug hält. Es war immer auch die Rolle des Spielzeugs, Kinder auf eine spielerische Art und Weise auf das Leben vorzubereiten. Gerade weil Spielzeug per se keine Funktion hat und nur seinen Selbstzweck verfolgt, kann man damit schwelgen, versonnen ins Träumen geraten und phantasieren. Wenn man das Thema Elektronik ausklammert, wäre das aus meiner Sicht fast reaktionär. Allerdings habe ich noch nicht so viele Beispiele gesehen, wo eine Integration gut gelungen wäre.

Spielzeug ist Moden und Trends unterworfen. Designer denken in Kategorien wie zeitlos, langlebig. Warum ist Spielzeug also für Sie relevant?

Vogelhäusl aus zwei gebogenen Sperrholzstreifen.
Vogelhäusl aus zwei gebogenen Sperrholzstreifen.

Stefan Diez:

An der Angewandten suchen wir uns Themen aus, bei denen es nicht wichtig ist, ob sie gerade medial besonders gut verdaubar, sondern ob sie interessant und relevant sind. Spielzeug steht in einer sehr engen Verbindung zum Menschen. Spielzeug sind Gegenstände, wie gesagt, die uns helfen, uns auf ein Leben vorzubereiten. Ihm kommt dabei sogar eine ziemliche wichtige Rolle zu. Heute geht es um Digitalisierung, um das Internet der Dinge. Die Produktwelt ändert sich prinzipiell. Ich glaube, es wird sehr spannend sein zu sehen, wie eine junge Generation von Designern darüber nachdenkt, wie und wo die Rolle Spielen in der Zukunft stattfinden wird. Und vor allem wie das Spielzeug dazu aussehen könnte.

Spielen lässt sich auf wenige Grundformen reduzieren. Was will Stefan Diez dem Thema entlocken, was noch nicht gesagt worden ist?

Vogelhäusl von Stefan Diez
Vogelhäusl von Stefan Diez für das SZ-Magazin.

Stefan Diez:

Das ist richtig, aber ich glaube, dabei handelt es sich um übergeordnete Prinzipien, die ich gar nicht in Frage stelle. Der wichtigste Punkt ist, dass sich durch die Digitalisierung die Werkzeuge geändert haben. Eine Generation, dazu zähle ich mich auch, ist mit Computern aufgewachsen. Diese Generation schaute aber noch in einen Screen, der versuchte, eine virtuelle Realität zweidimensional abzubilden, eine Welt, die man über eine Tastatur, Maus und Joystick bediente. Davon entfernen wir uns immer mehr. Die Interfaces werden diverser, weil Sensoren, Sender und Netzbauteile immer kleiner werden, Batterien länger halten, Rechner schneller werden. Deshalb glaube ich, dass sich auf der Ebene der Eingabe und des Bedienens mit Spielzeugen extrem viel verändern wird. Und natürlich darf man nicht vergessen, dass sich auch unsere Gesellschaften verändert haben. Man denke nur mal an die überholten Rollenbilder, die auch durch entsprechendes Spielzeug in der Wiege weiterentwickelt werden könnten. Ich erwarte, dass wir zu sehr überraschenden Ergebnissen kommen.

Stefan Diez

Eigentlich sollte Spielzeug bei Kindern nur einen Funken auslösen, der ihre Fantasie beflügelt, um sie so zu befähigen, etwas Selbstständiges tun.

Stefan Diez

Welche Rolle spielt bei dem Projekt der Aspekt Vorbereitung aufs Leben?

Stefan Diez:

Das Thema Lernen haben wir besonders im Auge. Wenn wir davon ausgehen, dass Spielen einem Spieltrieb entspringt und er evolutionsgeschichtlich gesehen so wichtig ist, dass er sich so stark durchsetzen konnte, kann man sich auch Gedanken darüber machen, inwieweit Spielen eine Rolle beim Lernen von Erwachsenen spielen könnte. Das umso mehr, wenn wir doch das ganze Leben lang lernen sollen.

Gamification ist doch seit Jahren ein Trend!

Stefan Diez:

Das ist bestimmt ein spannender Punkt. Auch Corona wird nicht spurlos an uns vorbei-gehen. Ich bin der Auffassung, dass die Pandemie vielen Leuten gezeigt hat, welches Potenzial in der Digitalisierung steckt. Gerade im Hinblick auf gesellschaftliche soziale Aspekte hat die Technik aber auch Schwächen gezeigt. Da sehe ich jedenfalls Ansatzpunkte und Spielräume.

Herr Diez, wir bedanken uns für das Gespräch.

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