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Vor und nach der Wende: Schaukelpferde handgemacht

Interview mit Erika Neumann
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Spielwarenmesse:

Frau Neumann, sie haben bei Spielwaren Ohdruf gearbeitet. Bitte beschreiben Sie uns Ihre Tätigkeit und wie lange Sie dort beschäftigt waren.

Schaukelpferde handgemacht
Schaukelpferdeproduktion vor und nach der Wende

Erika Neumann:

Bei Spielwaren Ohrdruf war ich rund 30 Jahre tätig, ich fing 1970 an, im Januar 2002 hab ich aufgehört. Ich war in der Schaukelpferdeproduktion, dafür habe ich jeden Arbeitsschritt gemacht: Gestelle zusammengenagelt, Hufschrauben zur Befestigung am Brett an den Beinen reingedreht, Hufe schwarz angemalt, die Leinwand zugeschnitten und genäht, anschließend beim Stopfen mit Hobelspänen den Pferden die Form gegeben, nach dem Stoff- oder seltener Fellzuschneiden kam das Überziehen und Zunähen. Augen und Ohren, Mähne und Schweif nagelte ich zum Schluss an und befestigte noch Sattel und Zaumzeug an den Pferden. Die Pferdeköpfe wurden aus Catterfeld vom Schnitzer geliefert, der auch zum Kombinat gehörte. Ab den 80er Jahren waren die Köpfe aus Plastik.

Vor der Wende waren wir zu fünft in zwei Räumen - vier Frauen und zwei Männer. Die Männer haben meistens nur gestopft und Gestelle gemacht, zwei Frauen haben überzogen und eine hat die Mähne, Augen, Ohren und Schweif gemacht und eingepackt. Ich habe als Springer gearbeitet. Weil nicht alle Frauen stopfen konnten, haben dann die anderen überzogen und ich habe gestopft. Ich glaube, es sollten ca. 30 Pferde am Tag rauskommen, das war knapp zu schaffen. Weil alles reine Handarbeit war, war die Montage körperlich sehr anstrengend.

Wie erging es dem Betrieb nach der „Wende“?

Erika Neumann:

Nach der Wende ist der Spielwarenbetrieb insolvent gegangen. Der Nachfolgebetrieb hat die Leute übernommen, die weiterarbeiten wollten. Da kaum noch Pferde produziert wurden, arbeitete ich viel in der Tischlerei und fertigte Fenster, Türen und Tore. Schaukelpferde stellte ich nur noch auf Bestellung her. Es waren höchstens 100 im Monat, die ich dann immer allein machte. Zweimal waren wir noch bei der Messe in Leipzig vertreten. Aber das hat sich dann nicht mehr gelohnt. Die letzten 300 Pferde wurden sporadisch gefertigt, dann wurden keine Pferde mehr hergestellt.

Der Absatzmarkt war mit der Wende mit einem Schlag weg, weil die Pferde dann zu teuer waren.

Wenn Sie nach 1990 weiter in einem Spielwarenbetrieb beschäftigt waren – wie hat sich die Arbeit für sie verändert?

Erika Neumann:

Die Maschinen waren lange noch die alten, wurden aber mit der Zeit erneuert. Die Arbeit war weiterhin körperlich sehr anstrengend. Als ich in Rente war habe ich noch alte Pferde restauriert. Weil es mir ohne Zeitdruck Spaß gemacht hat. Dann auch öfters mit echtem Fell.

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Quelle: 
 1https://thue.museum-digital.de/index.php?t=sammlung&instnr=42&gesusa=172