Nachhaltigkeit

"Wir wollten ein Unternehmen sein, das sich von einer Mission leiten lässt"

Interview mit Charlie Friend
Boy playing with greentoys

Spielwarenmesse:

Herr Friend, Green Toys wurde 2007 gegründet, die ersten Produkte kamen ein Jahr später auf den Markt. Was war die Motivation für die Gründung eines Start-ups mit der Idee, Spielzeug aus Milchverpackungen herzustellen? Hat der damaligen Rückruf verschiedener Spielzeuge eine Rolle gespielt?

greentoys

Charlie Friend:

Die Gründer von Green Toys starteten das Unternehmen mit der Überzeugung, dass sie Produkte herstellen wollten, die auf den Säulen Sicherheit und Nachhaltigkeit basieren. Sie kannten die Berge von Plastikspielzeug aus eigener Erfahrung und waren überzeugt, dass es eine bessere Möglichkeit geben musste. Als im Jahr 2008 das CPSIA, das Gesetz zur Verbesserung der Sicherheit von Verbraucherprodukten, in den USA in Kraft trat, bemühten sich viele Hersteller um die Einhaltung der Vorschriften. Damals waren die Produkte von Green Toys bereits auf dem Markt und erfüllten bzw. übererfüllten die überarbeiteten Leitlinien.

 

Spielwarenmesse:

So lobenswert es auch ist, Spielzeug aus Milchverpackungen herzustellen, brauchen wir nicht generell eine andere Einstellung zu Plastik?

Charlie Friend:

Ein grundlegendes Umdenken der Verbraucher in Bezug auf Einwegplastik wäre sicherlich richtig und wichtig, aber wir dürfen nicht zulassen, dass das Bessere der Feind des Guten ist. Wir von Green Toys glauben, dass jeder Schritt in die richtige Richtung bedeutsam ist. Wir sind vielleicht nicht in der Lage, alle Plastikprobleme der Welt zu lösen, aber in unserer eigenen kleinen Nische haben wir bereits über 100.000.000 Milchkartons recycelt. Wir denken genauso über die Kunden, die wir ansprechen wollen. Sie sind vielleicht nicht in der Lage, jede Entscheidung unter nachhaltigen Gesichtspunkten zu treffen, aber die Veränderungen, die sie vorantreiben können, sind dennoch wertvoll. Wir sind zwar immer auf der Suche nach Möglichkeiten, noch mehr zu bewirken, aber wir sind auch sehr stolz auf das, was wir bisher erreicht haben.

Spielwarenmesse:

Das Thema der Kreislaufwirtschaft hat an Bedeutung gewonnen. Das ist unbestreitbar. Eine „dynamische“ Bewegung hin zu einer grünen Spielzeugindustrie ist jedoch noch nicht zu erkennen. Wie ist die Situation auf Ihrem Heimatmarkt?

Charlie Friend:

Da wir die Spielzeuge selbst herstellen, schließen wir den Kreislauf. Es geht darum, eine Nachfrage zu schaffen, um diesen Kreislauf immer und immer wieder aufrechtzuerhalten. Wir haben noch nicht die Größe und die Bedeutung erreicht, um die Nachfrage zu steigern und die gesamte Branche umzukrempeln, aber das ist das Ziel und das, worauf wir hinarbeiten.

Spielwarenmesse:

Nicht alle Kunststoffe sind gleich. Was kommt eigentlich in die Spritzgussmaschinen?

Charlie Friend:

Wir bezeichnen unser Rohmaterial oft als Harz der „Sushi-Klasse“, weil es nach strengen Standards getestet wird. Unser HPDE wird in der gesamten Lieferkette und im Herstellungsprozess getestet. Wir verwenden keine Weichmacher oder Zusatzstoffe. Das Einzige, was dem Rohmaterial vor der Formgebung zugesetzt wird, ist ein Farbstoff. Das bedeutet, dass das, was herauskommt, dasselbe ist wie das, was hineingeht: 100% recycelter (UND recycelbarer!) Kunststoff.

Spielwarenmesse:

Wir leben in Krisenzeiten. Green Toys hat immer wieder auf die Vorteile hingewiesen, in Amerika zu produzieren, Arbeitsplätze zu schaffen und den ökologischen Fußabdruck dank einer kurzen Lieferkette so klein wie möglich zu halten. Sind Sie froh, dass Sie Ihr Geld auf diese Karte gesetzt haben, auch wenn es am Anfang sicherlich viele finanzielle Ressourcen und viel Mühe gekostet hat, wettbewerbsfähig zu produzieren?

Charlie Friend:

Es ist uns ein großes Anliegen, die heimische Wirtschaft zu unterstützen und hier im Lande Arbeitsplätze zu schaffen. Natürlich ist es, wie Sie schon angedeutet haben, nicht ganz einfach, auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber wir haben noch nie davor zurückgeschreckt, das Richtige zu tun, nur weil es schwer ist. Das ist einer der Gründe, die uns motivieren, weiter innovativ zu sein.

Spielwarenmesse:

Nachhaltigkeit ist ein weit gefasster Begriff. Der Deutsche Hans Carl von Carlowitz formulierte ihn 1713 für die Forstwirtschaft. Er gilt weltweit als der Vater des Konzepts. Neigen Eltern also nicht dazu, sich bei nachhaltigem Spielzeug für klassisches Holzspielzeug zu entscheiden, weil sie es so kennen?

Charlie Friend:

Holzspielzeug kann eine großartige Lösung für bestimmte Spielweisen sein, keine Frage. Aber was ist, wenn Sie Ihrem Kind Rollenspielzeug zum Essen und Trinken geben, oder etwas zum Zahnen, oder einen Lastwagen, der in den Sandkasten kommt und möglicherweise über Nacht draußen bleibt, oder ein Boot für die Badewanne? Wir sind der Meinung, dass es für diese Situationen, für die andere Materialien vielleicht nicht so gut geeignet sind, eine nachhaltige Lösung geben sollte. Wir haben viele Eltern, die uns sagen, dass unsere Produkte das einzige Spielzeug aus Kunststoff sind, das sie kaufen.

Spielwarenmesse:

Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, wenn es um die Qualität von Spielzeug geht. Sicherheit und Spielwert sind zwei weitere Aspekte. Wodurch heben sich die Produkte von Green Toys von der Konkurrenz anderer Spielzeughersteller, z.B. von Anbietern von Holzspielzeug, ab?

Charlie Friend:

Sicherheit ist seit der Gründung von Green Toys ein zentraler Grundsatz. Da unsere Produkte in erster Linie für Kinder bestimmt sind, wissen wir, dass sie auf die Probe gestellt werden und oft in den Mündern der ganz Kleinen landen. Ohne Zusatzstoffe, Weichmacher, Farben oder andere äußere Beschichtungen, ohne Metallschrauben oder Kleinteile und ohne die Verwendung von BPA, Phthalaten oder PVC bieten die Produkte von Green Toys den Eltern ein gutes Gefühl, wenn es um Sicherheit geht. Beim Spielwert haben wir, neben anderen Bereichen, eine Möglichkeit gefunden, um unser Spielzeug nachhaltig zu gestalten. Da wir der Meinung sind, dass die umweltfreundlichsten Spielzeuge diejenigen sind, die nicht weggeworfen werden, bemühen wir uns, Spielzeuge zu entwickeln, die eine Reihe von Spielweisen und Entwicklungsbedürfnissen abdecken, so dass sie mit einem Kind mitwachsen und an jüngere Kinder weitergegeben werden können. Nehmen Sie zum Beispiel unseren Muldenkipper. Ein Einjähriger kann damit spielen, indem er ihn im Sitzen hin- und her rollt und dabei seine Rumpfkraft, seine motorischen Fähigkeiten und sein Ursache-Wirkungs-Denken entwickelt. Im Alter von drei Jahren kann das Kind mit dem Lkw in Verbindung mit anderen Spielzeugen spielen und so die ersten Stufen des narrativen Spiels entwickeln. Mit 5 Jahren hat es vielleicht schon eine ganze Szene in der 1. oder 3. Person aufgebaut, inklusive Charakter- und Handlungsentwicklung.

Recyclingcode aus Plastik

Spielwarenmesse:

Green Toys hat mit seinem Recyclingkonzept Maßstäbe gesetzt. Hat diese Idee auch das Potenzial, aus einem Nischenmarkt langfristig einen Markt für die Massenproduktion zu machen?

Charlie Friend:

Wir wünschen uns nichts mehr, als dass mehr Unternehmen in die Herstellung von umweltfreundlichem Spielzeug einsteigen. Jedes Mal, wenn sich eine große Marke zu einer nachhaltigeren Produktlinie verpflichtet, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf dieses Thema. Und das zieht alle Player auch außerhalb unserer Branche mit. Wir sehen Nachhaltigkeit (oder genauer gesagt Recycling) nicht als bloßen Trend in der Spielzeugindustrie. Wir sind der Meinung, dass sie auf lange Sicht ein fundamentales Element sein kann und sollte.

Spielwarenmesse:

Der US-Markt ist sicherlich der umsatzstärkste Markt für Green Toys. In wie vielen Ländern verkaufen Sie Ihr grünes Spielzeug heute und wie entwickelt sich der europäische Markt?

Charlie Friend:

Die Produkte von Green Toys werden derzeit in über 75 Ländern verkauft, Tendenz steigend. Gerade der europäische Markt ist stärker denn je. Unser anhaltender Erfolg in dieser Region und weltweit ist ein Beweis für die universelle Bedeutung unseres Auftrags und den Eifer der Menschen auf der ganzen Welt, ihn zu unterstützen und zu fördern.

Spielwarenmesse:

Im Jahr 2013 stieg The Friend Group, die Investmentfirma Ihres Vaters, mit einer Mehrheitsbeteiligung bei Green Toys ein. Hat sich dieser Schritt rückblickend gelohnt?

Charlie Friend:

Es ist eine sehr bereichernde Erfahrung, nachhaltiges Spielzeug herzustellen, das Kinder lieben. Wir wussten, dass wir ein Unternehmen sein wollten, das sich von einer Mission leiten lässt, und jedes Mal, wenn uns jemand daran erinnert, dass wir seiner Familie durch die Herstellung von sicherem Spielzeug ein gutes Gefühl geben, werden wir im Gegenzug daran erinnert, dass es der richtige Schritt war.

Spielwarenmesse:

Der Erdüberlastungstag fiel dieses Jahr in Ihrem Land auf den 13. März. Nur Katar und Luxemburg schnitten noch schlechter ab. Wenn die ganze Welt so leben würde, bräuchten wir 5 Erden. Interessieren sich die Amerikaner für Nachhaltigkeit?

Charlie Friend:

Es ist schwierig, 330 Millionen Amerikaner über einen Kamm zu scheren. Gibt es Millionen von Amerikanern, denen das Thema Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt? Ja. Ist das gerade verabschiedete US-Klimagesetz ein großer Schritt nach vorn? Wir denken schon. Gibt es noch viel mehr zu tun? Auf jeden Fall.

Spielwarenmesse:

Herr Friend, vielen Dank für das Gespräch.

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