Spielelabor

Brettspiele erfinden

Die 10 besten Tipps, um Ihr Produkt auf den Markt zu bringen
Familie spielt Brettspiel auf dem Boden
Auswahl an verschiedenen Spielfigur

Sie wollen als Erfinder von Brettspielen Karriere machen? Erwarten Sie nicht, dass es einfach wird!

Brettspiele zu erfinden ist keine leichte Aufgabe, selbst für diejenigen, die sehr erfahren und versiert sind und bereits eine Reihe von erfolgreichen Spielen entwickelt haben. Nur sehr wenige Menschen entwickeln ein Spiel, mit dem sie anschließend auch groß rauskommen. Natürlich gibt es einige berühmte Beispiele von Leuten, die es mit ihrer ersten Spieleveröffentlichung geschafft haben. Ich hatte zum Beispiel das Glück, Leslie Scott, die Erfinderin von Jenga, vor ein paar Jahren bei einer Branchenveranstaltung zu treffen. Nachdem ich sie kennengelernt hatte, habe ich ihr Buch „About Jenga“ gelesen, und obwohl sie mit ihrem ersten Spiel den Durchbruch schaffte, war es kein Selbstläufer. Außerdem gibt es für jede Geschichte wie die von Leslie Tausende, vielleicht sogar Zehntausende Beispiele von Leuten, die mit ihrem ersten Spiel keinerlei Erfolg hatten.

Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, das nächste bahnbrechende Erfolgsspiel auf den Markt zu bringen.

Brettspiele erfinden: Die 10 besten Tipps für die Vermarktung von Brettspielen

1. Spiele zu erfinden ist der einfache Teil – sie zu verkaufen der schwierige!

Dies ist der mit Abstand wesentlichste Punkt in diesem Beitrag. Jeder kann ein Brettspiel entwickeln, und wenn man es oft genug testet und spielt, wird man am Ende etwas hervorbringen, das Spaß macht. Wenn man als Spieleentwickler kommerziell erfolgreich sein will, ist das Entscheidende jedoch, dass man – ob es einem gefällt oder nicht – ein guter Verkäufer oder eine gute Verkäuferin ist. Es gibt bereits sehr viele Spiele da draußen. Sie entscheiden sich also für einen sehr wettbewerbsintensiven Markt. Keine Brettspielfirma sucht verzweifelt nach einem neuen Erfinder oder einer neuen Erfinderin.

Es ist nicht wie mit dem Verkauf von Desinfektionsmitteln zu Beginn der Corona-Pandemie, als es ein verkäuferorientierter Markt war. Es ist eher wie der Verkauf von Desinfektionsmitteln heute, wo jedes Geschäft so viel davon beziehen kann, wie es will. Mit anderen Worten, die „Würfel“ sind gezinkt! Als Spieleerfinder gewinnen Sie, indem Sie die Fähigkeit, Ihre Spiele zu verkaufen, ständig weiterentwickeln und verbessern. Wenn Sie coole Spiele für sich und Ihre Familie entwickeln wollen, ist das in Ordnung. Sie konzentrieren sich einfach darauf, sich tolle Sachen auszudenken. Aber wenn Sie Tausende oder sogar Millionen von Menschen dazu bringen wollen, Ihre Spiele zu spielen, müssen Sie in erster Linie geschickt und effektiv verkaufen können!

2. Seien Sie sich darüber im Klaren, welches Geschäftsmodell Sie anstreben

Es gibt mehrere verschiedene Geschäftsmodelle, wie ein Spiel auf den Markt gebracht werden kann:

a) Lizenzierung 

Es scheint zwar nicht so, aber das ist das einfachste Modell. Im Grunde genommen überlassen Sie Ihr Spiel dabei jemand anderem, der die nötige Zeit, die Beziehungen und das Kapital investiert, um es zu vermarkten, und dabei, wenn er es richtig anstellt, einen Nettogewinn von vielleicht 10 % für sich selbst erzielt. Je nach Unternehmen und Vertragsbedingungen liegt die Lizenzgebühr, die der Erfinder bei diesem Modell erhält, normalerweise zwischen 3 % und 7 %. Für Uneingeweihte mag das nicht nach viel klingen, aber die Spielefirma, der Sie die Lizenz für dieses Spiel übertragen, wird nicht viel mehr als diesen Gewinn machen, und dies, obwohl sie den Kauf des Inventars, das Marketing und die organisatorischen Gemeinkosten finanzieren muss. Wem es also an Geschäftssinn mangelt, für den ist die Lizenzierung normalerweise der sicherste Weg, obwohl man aufgrund der schieren Menge der angebotenen Spiele trotzdem alles daran setzen muss, sein eigenes Spiel unter Lizenz zu bringen. Zum Vergleich: Ein kleines Spieleunternehmen sieht sich vielleicht etwas über 100 Spiele pro Jahr an, während die größten Unternehmen der Branche bis zu 2.000 Spiele auf den Prüfstand stellen. Statistisch gesehen stehen die Chancen also schlecht.

b) Self-Publishing für den Handel 

Self-Publishing ist eine Option für diejenigen, die bereit sind, zu „Gründern“ zu werden und sich auf die verrückte Reise in die Selbständigkeit zu begeben. Diese Option ist meistens zum Scheitern verurteilt. Sollte dieser Ansatz jedoch der richtige für Sie sein, so werden Sie wahrscheinlich schnell zu hören bekommen, dass die Prognosen gegen Sie sprechen, und Sie werden sich auf die Chance freuen, den Zweiflern das Gegenteil zu beweisen! 

Hüten Sie sich nur davor, Inventar zu bestellen, bevor Sie die Nachfrage genau einschätzen können. Überschüssiges Inventar ist der Tod für Unternehmen, und viele Start-up-Gründer haben am Ende eine ganze Garage voller Spiele! 

Sie können wählen, ob Sie an Einzelhändler und/oder an Großhändler verkaufen wollen. Oft versuchen Unternehmen, ihre Produkte auf ihrem Heimatmarkt direkt an den Einzelhandel zu verkaufen und vertreiben sie dann auf internationaler Ebene über ein Netz von Vertriebshändlern. Der Aufbau solcher Netzwerke und die Aufnahme in die Listen des Einzelhandels kann Jahre dauern. Stellen Sie sich also auf einen langen, mühsamen Prozess ein, um Ihren Vertrieb aufzubauen. 

c) Self-Publishing direkt für den Verbraucher 

Ich habe viele Unternehmen gesehen, die erfolgreich waren, indem sie die traditionellen Gatekeeper und Mittelspersonen umgangen und sich direkt an den Verbraucher gewandt haben. Man kann argumentieren, dass Amazon sowohl eine Plattform für den Direktvertrieb als auch ein Einzelhandelsunternehmen sein kann, und da Amazon in einigen Ländern 20-30 % des Gesamtmarktes ausmacht, verfolgen viele meiner Kunden in erster Linie einen Amazon-Ansatz. Allerdings sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass diejenigen, die über Amazon und andere Direktkanäle erfolgreich sind, in der Regel sehr technisch versiert sein müssen, um die Algorithmen und Systeme von Amazon und anderer Plattformen zu beherrschen.

Ein weiterer Ansatz zur direkten Vermarktung an den Verbraucher ist das Crowdfunding. Es ist kein Zufall, dass einige der meistverkauften Spiele des letzten Jahrzehnts über Kickstarter oder Indiegogo entstanden sind: Cards Against Humanity, Exploding Kittens und viele andere haben über Crowdfunding große Erfolge erzielt. Wie bei allen Vertriebskanälen gibt es auch bei diesem Ansatz Herausforderungen, aber es gibt heute insgesamt viel mehr Möglichkeiten, das traditionelle Vertriebssystem zu umgehen, was sicherlich zu einer größeren Bandbreite und Vielfalt an Spielen auf dem Markt geführt hat.

Spielbrett des Spiels Risiko mit verschiedenen Spielfiguren

3. Das Thema kann wichtiger sein als das Gameplay

Es gibt Tausende von Spielen, die gut aufgebaut sind und Spaß machen. Aber die kommerziell erfolgreichen Spiele haben mehr als nur ein gutes Gameplay. Sie haben meist ein bestimmtes Thema oder einen Bezug zu einem wichtigen Trend. Diejenigen Erfinder von Brettspielen, die zuerst Themen und Ideen und erst dann das Spielprinzip entwickeln, erzielen manchmal die höchsten Verkaufszahlen!

4. Wie Sie ihr Spiel so präsentieren, dass es sich gut verkauft

In einer Welt, in der die Verbindungsleute zwischen den Spielefirmen und den Erfindern von Brettspielen bzw. die Einkäufer im Einzelhandel Hunderte oder sogar Tausende von Spielen in Augenschein nehmen, müssen Sie in der Lage sein, das generelle Thema Ihres Spiels in kurzer Zeit vorzustellen, einen schnellen, aber überzeugenden Überblick darüber zu geben, wie das Spiel tatsächlich funktioniert, und vor allem sollten Sie auch in der Lage sein, den Wettbewerbsvorteil oder den Unterschied zwischen Ihrem Spiel und all den anderen auf dem Markt zu erklären.

5. Lassen Sie den Käufer das Spiel gewinnen

Wir alle gewinnen gerne. Wenn Sie Ihr Spiel also verkaufen wollen, sollten Sie die Karten so mischen oder das Gameplay so ausrichten, dass der Käufer das Spiel gewinnt. Das ist elementare Psychologie in Aktion: Ein Käufer reagiert eher auf ein Spiel, das ihm Spaß macht und in dem er gut ist, als auf eines, in dem er schlecht ist!

6. Seien Sie produktiv – hohe Qualität x hohe Quantität

Die Grundformel für den Erfolg von Spieleerfindern lässt sich ganz einfach so formulieren: 

Qualität x Quantität. Gute Konzepte, gute Verkaufsgespräche und gutes Strategiedenken in Bezug auf den Spielemarkt multipliziert mit einer großen Anzahl von Spielen, Kundenterminen, Präsentationen und Fachmessen. Es gibt kein Geheimrezept und kein geheimes Vorgehen, das bessere Erfolgschancen bietet als die Formel Quantität x Qualität.

7. Besuchen Sie wichtige Fachmessen

Messen sind für die Erfinder von Brettspielen eine wichtige Absatzmöglichkeit. Viele Geschäfte werden auf Messen abgeschlossen. Man kann die Spieleunternehmen grob in zwei Kategorien einteilen: Erstens gibt es Unternehmen, die groß genug sind, um Leute zu haben, die als Verbindungspersonen zwischen ihnen und den Erfindern fungieren; diese Verbindungspersonen sind sehr erfahren und wissen in der Regel besser als jeder andere, welche Spiele gerade angesagt sind. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Branchenlegende, die als Verbindungsperson bei einem der großen Spielzeug-/Spieleunternehmen angestellt gewesen war und in den Ruhestand ging. Er erzählte mir, dass er in seiner Laufbahn etwa 25.000 Konzepte für Brettspiele gesehen hatte. Solche Personen/Unternehmen verfügen über ein enormes Wissen, sind aufgrund der Menge an Produkten, die sie zu Gesicht bekommen, aber auch etwas abgestumpft. Sie sind oft eine gute Anlaufstelle, um sich darüber zu informieren, was es auf dem Markt gibt und was gerade angesagt ist, aber sie werden wahrscheinlich nicht besonders beeindruckt sein von dem, was Sie ihnen präsentieren! Bei kleineren Unternehmen hingegen kann es sein, dass Sie sich mit der Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, mit Spiele-Redakteuren (vor allem in Deutschland), wichtigen kaufmännischen Mitarbeitern oder sogar dem Firmeninhaber oder der Geschäftsführerin treffen. Solche Gespräche verlaufen in der Regel etwas hektischer und werden häufiger unterbrochen, aber Sie treffen oft direkt mit den wichtigsten Entscheidungsträgern zusammen.

So oder so sind Messen für beide Gruppen eine großartige Gelegenheit, die richtigen Leute zu treffen, um Ihre Spiele zu platzieren. Schon seit der Jahrtausendwende besuche ich die Hallen 10.0 und 10.1 der Spielwarenmesse im Januar/Februar, und ich kenne keinen besseren Ort, um Geschäfte mit Spielen zu machen. Hier sind die Großen und die Erfolgreichen der Brettspielbranche vertreten, ebenso wie in Halle 12 und anderen Hallen. Der wichtigste Ratschlag für diesen Punkt 7 lautet also: Besuchen Sie die Spielwarenmesse, aber stellen Sie sicher, dass Sie gut vorbereitet sind und so viele Treffen wie möglich vorab buchen können, da die Terminkalender auf der Messe immer sehr voll sind.

Steine des Spiels Scrabble

8. Kreative Kooperationen können zu mehr Erfolg führen

Es ist durchaus üblich, dass sich etablierte und erfolgreiche Spiele-Profis mit anderen Gleichgesinnten zusammenschließen, um gemeinsam an einem bestimmten Projekt zu arbeiten oder um gemeinsam etwas Einzigartiges zu schaffen. Manchmal tun sich Menschen mit ähnlichen Stärken zusammen, aber oft können Menschen, die das Spielegeschäft aus verschiedenen Perspektiven angehen, den größten Erfolg erzielen. 

9. Erwägen Sie die Zusammenarbeit mit einem Lizenzierungsagenten

Wenn alles andere scheitert und es Ihnen schwer fällt, Ihre Spiele zu vermarkten, gibt es mehrere Agenturen für Erfinder, die sich auf den Bereich Brettspiele spezialisiert haben. Wenn Sie „Agentur Lizenzierung Brettspiele“ googeln, sollten Sie auf die richtigen Leute stoßen. Beachten Sie jedoch, dass Lizenzierungsagenten in der Regel 40-50 % der Lizenzeinnahmen einstreichen, da der Verkauf mindestens die Hälfte der Arbeit ausmacht.

10. Immer weitermachen

Der einzige weitere offensichtliche, aber richtige Ratschlag ist, einfach hartnäckig zu bleiben. Es dauert Jahre, um ein Vertriebsnetz aufzubauen, und es braucht Zeit, um in unserer Branche etwas zu verkaufen. Erfolg wird über mehrere Jahre gemessen, nicht nur in ein paar Wochen oder Monaten. Es gibt in unserer Branche einen jährlich wiederkehrenden Verkaufszyklus. Ein Ansatz, den Sie verfolgen könnten, ist es, jedes Jahr an den wichtigsten Veranstaltungen wie der Spielwarenmesse teilzunehmen und sich den Rest des Jahres auf Ihren normalen Job zu konzentrieren. Wenn Sie immer wieder kommen, erzielen Sie möglicherweise bessere Ergebnisse, als wenn Sie für einen kürzeren Zeitraum komplett einsteigen. Wir alle wünschen uns manchmal, dass die Entwicklungen in unserer Branche schneller vorangehen, aber seien Sie realistisch und stellen Sie sich auf einen langen Weg ein, dann werden Sie am Ende auch eher gewinnen!

Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich betonen, dass Erfinderinnen und Erfinder durch ihre Innovationen Frische und Fortschritt in die Brettspielbranche bringen, und dass diese ohne Sie ganz schön langweilig wäre!

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