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Die unbekannte Astrid Lindgren

„Die unbekannte Astrid Lindgren. Ihre Zeit als Verlegerin“ von Kjell Bohlund erscheint am 9. September bei Oetinger

Astrid Lindgren ist eine der berühmtesten Kinderbuchautorinnen der Welt. Dass sie 24 Jahre lang neben ihrer eigenen schriftstellerischen Tätigkeit auch als Lektorin, später als Verlegerin beim schwedischen Kinderbuchverlag Rabèn & Sjögren arbeitete, ist bislang in der öffentlichen Wahrnehmung noch wenig bis gar nicht präsent.

Diese Lücke schließt jetzt ein neues Buch über Astrid Lindgren, „Die unbekannte Astrid Lindgren. Ihre Zeit als Verlegerin“, das am 9. September 2021 bei Oetinger erscheint. Der Autor Kjell Bohlund, war selbst lange Verleger des schwedischen Verlages Rabèn & Sjögren. Er erzählt von modernen Ideen, harter Arbeit und großen Erfolgen und von einer Astrid Lindgren, die wir bislang so noch nicht kannten.

„Am 1. September fange ich eine Halbtagsstelle bei Rabén & Sjögren an, mit ziemlicher Sicherheit zumindest. Ich soll Doktor Rabéns Stellvertreterin sein, wenn er nicht da ist, und auch sonst soll ich ihn so weit es geht entlasten.“ (Brief an die Eltern, 23. August 1946).

Astrid Lindgren war die erste Lektorin, die sich in Schweden auf den Kinderbuchbereich spezialisiert hatte, und sie wurde eine der besten Verlegerinnen in der Verlagsgeschichte des Landes. Ihren Tag teilte Astrid Lindgren auf: Morgens war sie Autorin und schrieb zu Hause an ihren Büchern, nachmittags ging sie in den Verlag. Sie traf Autoren, Illustratoren, ausländische Verleger und Journalisten. Sie verfasste Werbetexte und reiste durchs Land, um Buchhändlern die neuen Veröffentlichungen vorzustellen. Sie rettete ihren Verlag aus einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Als sie begann, bei Rabén & Sjögren zu arbeiten, war das Haus ein kleiner, der Insolvenz naher Verlag. Fünf Jahre später war er der größte Kinderbuchverlag in ganz Skandinavien. Sie war Lektorin und Geschäftsfrau, klug, effektiv, kompetent und freundlich. Mit dem Oetinger Verlag verband sie jahrzehntelang eine enge Freundschaft. Ihre Bücher erscheinen bis heute bei Rabén & Sjögren in Schweden und bei Oetinger in Deutschland.

Kjell Bohlund hat die schwedische Originalausgabe für das deutsche Publikum adaptiert und z.B. das Kapitel „Familienangelegenheiten“, das Astrid Lindgrens Verhältnis zum Oetinger Verlag beleuchtet, ergänzt. 1949 reiste der junge deutsche Verleger Friedrich Oetinger nach Stockholm, traf dort Astrid Lindgren und erwarb die Rechte für die deutsche Ausgabe von „Pippi Langstrumpf“. Ein Glücksfall für Oetinger, dessen Verlag ebenfalls auf wirtschaftlich wackeligen Beinen stand, und der Beginn einer jahrzehntelangen Freundschaft zwischen Astrid Lindgren und der Familie Oetinger.

Astrid Lindgren hatte ein genaues Auge darauf, wie Oetinger ihre Bücher vermarktete, fasste aber bald großes Vertrauen und bedankte sich immer wieder für alles, was der deutsche Verlag für ihre Bücher tat. Wenn es um die Übersetzungen ihrer Bücher ging, konnte sie allerdings auch streng sein, sie las sie genau und kritisierte die Wortwahl, wenn es ihr notwendig schien. Eine Vielzahl an Briefen, in denen es nicht nur um Verlagsangelegenheiten geht, sondern auch um Kinder, Krankheiten und Urlaubsreisen, zeugen zudem davon, wie eng Geschäftliches und Freundschaftliches verflochten waren. „Die unbekannte Astrid Lindgren. Ihre Zeit als Verlegerin“ ist Teil des Jubiläumsprogramms zum 75jährigen Bestehen des Oetinger Verlages.