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Vertrauen der CFOs in die wirtschaftliche Erholung so groß wie lange nicht mehr

Globale Studie von IMA und ACCA zeigt Zehnjahreshoch

Der Global Economic Conditions Survey (GECS) des Institute of Management Accountants (IMA) und der Association of Chartered Certified Accountants (ACCA) mit den Einschätzungen von mehr als 1.000 Wirtschaftsprüfern und CFOs weltweit zeigt für das erste Quartal 2021 ein überraschend positives Bild. Hiernach ist das Vertrauen in die weitere globale wirtschaftliche Entwicklung geradezu sprunghaft angestiegen. Verantwortlich dafür sind vor allem Zulassung und Einsatz verschiedener Impfstoffe, die auf ein Ende der COVID-19-Krise hoffen lassen. In Westeuropa gestaltet sich die Rückkehr zum Wachstum jedoch etwas langsamer. So fällt das Wachstum im laufenden Jahr mit 3,9 Prozent dort deutlich schwächer aus als in den USA mit 6,5 Prozent.

Die Studie zeigt eine allgemeine weltweite Erholungstendenz - aber mit unterschiedlichem Tempo. Die Erholung in Westeuropa gibt sich erheblich verhaltener als in anderen Regionen der Welt. Grund sind vor allem die weiterhin hohe COVID-19-Infektionsraten und die damit verbundenen Einschränkungen. Jedoch befinden sich die Auftragseingänge auch hier auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren. Es ist damit zu rechnen, dass die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten in nahezu allen Wirtschaftsräumen an Schwung gewinnt.

Alle relevanten Indikatoren im Hinblick auf Bestellungen, Investitionen und Beschäftigung zeigen eine Aufwärtstendenz und nähern sich den Werten des letzten Quartals 2019 an. Dennoch bleibt die Unsicherheit ebenfalls hoch - nicht nur im Hinblick auf die weitere Entwicklung bei der Pandemiebekämpfung, sondern auch auf die langfristigen „mentalen“ Auswirkungen der Krise auf Verbraucher und Anbieter.

Private Konsumausgaben in Westeuropa eher zögerlich

Die Studie, die Großbritannien und die Eurozone unter dem Begriff „Westeuropa“ zusammenfasst, sieht vor allem bei letzterer noch einige Hürden auf dem Weg zu alter Stärke. Sind die Massenimpfungen aber erst einmal in Fahrt gekommen, wird auch die Eurozone voraussichtlich deutlich stärker zulegen. Unterstützt werden die Mitgliedsländer dabei durch ein Paket von 750 Milliarden Euro aus dem EU-Konjunkturprogramm. Da zu befürchten steht, dass die Verbraucher ihre während der Pandemie angesammelten Ersparnisse nur zum Teil für Konsumausgaben nutzen, kommt es umso stärker auf den Export an: Er könnte sich stärker noch als zuvor als entscheidender Wachstumstreiber der Industrie erweisen und dem Produktionssektor wichtige Impulse verleihen.

Insgesamt, so die Studie, ist in diesem Jahr mit einer BIP-Steigerung in Deutschland in Höhe von 3, im kommenden mit 3,7 Prozent zu rechnen. Die Eurozone als Ganzes wird 2021 um 3,9 und 2022 um 3,8 Prozent zulegen. Zum Vergleich: In den USA ist mit entsprechenden Werten von 6,5 bzw. 4 Prozent zu rechnen, weltweit dürfte das BIP im laufenden Jahr durchschnittlich um 5,6 und im nächsten ebenfalls um 4 Prozent wachsen.

Inflation steigt

Laut Studie werden steigende Kosten die Inflationsrate im weltweiten Durchschnitt innerhalb der nächsten Monate auf zwei Prozent erhöhen. Vor allem für Öl und weitere Rohstoffe muss deutlich mehr gezahlt werden als vor einem Jahr. Besonders besorgniserregend bei der allgemeinen Inflationsentwicklung ist die mittelfristige Aussicht: Im Rahmen ihrer Notfallmaßnahmen haben die Zentralbanken ihre Zinssätze gesenkt und Staatsanleihen aufgekauft, sodass es zu einer starken Zunahme der Geldmenge gekommen ist. Die Zinssätze liegen dabei weit über dem Maß, das mit einem realen BIP-Wachstum und einer Inflation von 2 Prozent vereinbar wäre. Da die Zentralbanken mehrheitlich zur Beibehaltung ihrer derzeitigen Geldpolitik entschlossen sind, wird das Geldmengenwachstum noch einige Zeit anhalten - mit der Folge eines wahrscheinlich nachhaltig höheren Struktur- und Inflationswachstums.

„Nach einer der wohl schwersten Krisen seit Jahrzehnten scheint die weltweite wirtschaftliche Erholung schneller voranzukommen als von vielen antizipiert. Immerhin hat sich gezeigt, dass die Regierungen weitgehend klug und vorausschauend gehandelt haben, indem sie Unternehmen und Privathaushalte mehr oder weniger großzügig unterstützt haben. Ob die Erfahrungen der Krise zu nachhaltigeren Änderungen im Konsumentenverhalten führen werden, bleibt abzuwarten. Im Augenblick hängt nahezu alles vom Impffortschritt ab“, erklärt Bernardin Generalao, Director Regional Partner Relations beim IMA.