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Brettspiele – der Reiz bleibt & neue Trends kommen

Brettspiele – der Reiz bleibt & neue Trends kommen

Wie wird sich der Markt für Brettspiele 2021 entwickeln?

Man darf jetzt die Zahlen für 2021 nicht unbedingt mit dem Vorjahr vergleichen, denn 2020 waren die Umsätze auch in der Nebensaison so ungewöhnlich hoch, dass sich ein verzerrtes Bild ergeben würde. Wenn wir stattdessen das Jahr 2019 als Ausgangspunkt nehmen, dann gibt es keinen Grund daran zu zweifeln, dass auch 2021 ein gutes Jahr werden wird. Die Besonderheit bei Brettspielen ist, dass wenn ein Phänomen das Interesse an diesen Spielen neu entfacht und so den Markt wachsen lässt, alleine die Tatsache, dass wieder mehr gespielt wird, die Umsätze in die Höhe schnellen lässt. Früher war das immer dann der Fall, wenn ein Spiel es in die Fernsehunterhaltung schaffte. Aber diese Zeiten sind vorbei, weil zum einen weniger ferngesehen wird und zum anderen die Medienlandschaft heute viel stärker fragmentiert ist. Heutzutage gibt es andere Einflussfaktoren, wie der rasante Anstieg der Umsätze bei Schachspielen aufgrund der Netflix-Serie „Das Damengambit“ oder Filme wie „Jumanji“ gezeigt haben, der nicht nur den Jumanji-Lizenzprodukten, sondern den Brettspielen generell zu mehr Umsatz verholfen hat.

Und weil die Brettspiele aktuell nur so vor Kraft strotzen, fangen auch die großen Spielehersteller, die sich historisch gesehen in dieser Kategorie eine „Verschnaufpause“ gegönnt hatten, weil sie mit anderen Projekten in anderen Produktkategorien beschäftigt waren, wieder an, sich für Gesellschaftsspiele zu interessieren. Dadurch dürfte die Sortimentsbreite im Massengeschäft eher zurückgehen, weil die Big Player über ihre weitreichenden sonstigen Produktlinien einfach besser mit dem Einzelhandel besser vernetzt sind. Trotzdem dürfte das Geld, das die großen Hersteller in die Vermarktung ihrer Spiele investieren, zu einer Kettenreaktion in der gesamten Kategorie Gesellschaftsspiele führen, die auch dazu führen wird, dass generell mehr Brettspiele gespielt werden. 

Die Eintrittsbarrieren auf dem Markt für Brettspiele sind so niedrig wie nie

Die Markteintrittsbarrieren für Brettspiele waren schon immer niedriger als für andere Spielzeugkategorien. Jeder kann ein Brettspiel erfinden und mit geringem Kostenaufwand eine größere Anzahl an Exemplaren herstellen lassen. Man braucht keine technischen Zeichnungen, keinen Spritzguss (der sehr kostenintensiv ist) und auch von Chemie muss man nichts verstehen. Deswegen kann man bei den Brettspielen auch jedes Jahr die meisten Neuzugänge verzeichnen. Von denen manche zu Klassikern werden, wobei aber alle dazu beitragen, dass die Produktvielfalt im positiven Sinne zunimmt.

Neben den ohnehin schon niedrigen Markteintrittsbarrieren gibt es mittlerweile auch noch technologiebasierte Plattformen, mit deren Hilfe man sein Spiel wirklich ganz einfach direkt an die Community verkaufen kann. Dies sind zum einen die Plattformen für Crowdfunding wie Kickstarter, Indiegogo und Spieleschmiede, aber auch die Plattformen von Amazon, die auf den größten Märkten für Spielzeug stark vertreten und einfach zugänglich sind – vor allem in den USA, Großbritannien und Deutschland – allesamt Länder, in denen Brettspiele besonders beliebt sind. 

Früher führte kein Weg an den großen Einzelhändlern vorbei, wenn man als Hersteller von Brettspielen wirklich wachsen wollte. Das bedeutete oft hohe Listungsgebühren, wenn man mit einem neuartigen Spiel ankam und noch keinen Namen hatte. Heute kann dagegen so gut wie jeder sein Produkt über Amazon oder andere Plattformen auf den Markt bringen. Das heißt nicht, dass es jetzt einfacher geworden ist, auf dem Markt zu bestehen und hohe Umsätze zu generieren, sondern nur, dass der Zutritt zum Markt immer einfacher wird. 

Die (lang erwarteten) Preissteigerungen

In den letzten Jahren haben sich die Preise für Brettspiele endlich nach oben entwickelt. Lange Zeit schienen die Preise für Brettspiele in Stein gemeißelt zu sein, während sie in anderen Bereichen schwindelerregende Höhen erreichten. Wenn man sich anschaut, was heute ein klassisches Brettspiel im Einzelhandel kostet, dann hat sich der Preis nicht wesentlich geändert, selbst wenn man die Preise von vor 20 oder 30 Jahren als Referenzwert nimmt. Dabei gab es im selben Zeitraum bei anderen Gütern, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, einen massiven Anstieg von bis zu 200 oder 300%!

Für den Preisanstieg im Markt für Brettspiele sind in erster Linie zwei Faktoren verantwortlich. Erstens sind immer mehr Spielegenres, die früher aufgrund ihrer Komplexität als Nischenprodukte gegolten hätten - die sog. Gamers Games oder Kennerspiele (oder wie man sie auch immer nennen mag) - im Mainstream angekommen, was vor zehn oder 20 Jahren noch niemand gedacht hätte. Diese Spiele bestehen zwangsläufig aus mehr Teilen als die Spiele für den Massenmarkt und sind allein schon deshalb teurer. Dadurch sind die niedrigen Preise, die für manche Brettspiele kennzeichnend waren, geknackt worden.

Der zweite Faktor, der die Preise in die Höhe treibt, ist der generelle Preisanstieg bei den Rohstoffen, den Transportkosten und sonstigen grundlegenden Bestandteilen der Brettspiele. Das gilt übrigens für die gesamte Spielzeugbranche. 

Brettspiele sind gekommen, um zu bleiben

Es hört sich vielleicht etwas dick aufgetragen an, aber die fundamentalen Treiber der Kategorie Brettspiele sind im Laufe der Zeit unverändert geblieben, auch wenn wir ansonsten massive technologische Umwälzungen erleben. 

Die Menschen kaufen und spielen Brettspiele heute aus den gleichen Gründen wie früher: man will etwas zusammen machen, man will etwas für die Bildung und Entwicklung seiner Kinder tun, man will aktiv sein und Spaß haben (ohne dabei auf einen Bildschirm zu starren) und sich mit Freunden und Familienmitgliedern messen und Grenzen austesten. Diese Verhaltensweisen sind zeitlos – und deswegen wird es Brettspiele so lange geben, wie es Menschen gibt.

Info

Auf der Spielwarenmesse finden Sie ein breites Angebot zum Spielen, Lesen, Lernen und Experimentieren. Erfahren Sie mehr über den Markt und die Hersteller. 

Zur Produktgruppe Spiele, Bücher, Lernen und Experimentieren

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Steve Reece und die Brettspiele

Als Kind, das in den 1980er Jahren groß wurde, war ich verrückt nach Brettspielen und habe meine Familie und meine Freunde so lange mit meiner Spielleidenschaft genervt, dass sie es irgendwann nicht mehr ausgehalten haben und gar nicht mehr mit mir spielen wollten. Das hat mich allerdings nicht daran gehindert, andere Menschen zu fragen, ob sie nicht mit mir spielen wollen, und auch heute noch ist das Prinzip, dass man andere Leute quasi als neue Spieler bekehrt, ein wichtiges Element. Damals war ich besessen von Risiko (und während meiner Zeit bei Hasbro hatte ich dann tatsächlich das Glück, für die Markenführung dieses Spiels zuständig zu sein!) und von einem anderen Spiel, das in Deutschland weniger bekannt ist - Diplomacy. Auch heute noch sind junge Menschen von den gleichen Spielen fasziniert – es hat sich also nichts geändert. Das eine oder andere eher durchschnittliche Spiel ist vielleicht unter die Räder gekommen, aber gleichzeitig kommen immer mehr zeitlose Klassiker dazu, sodass wir immer mehr ikonische Klassiker haben, zwischen denen sich die Verbraucher entscheiden müssen. Da es heute schwieriger ist, mit einem einzigen Spiel die Umsätze zu erreichen, die früher möglich waren, weil die Auswahl einfach zu groß ist, ist es ratsam, sich ein breites Portfolio zuzulegen, anstatt sich auf ein paar wenige Umsatzmagneten zu verlassen. Lange Rede - kurzer Sinn: der Markt für Brettspiele ist kein einfacher, aber er wird auf alle Fälle weiterbestehen.