Nachhaltigkeit

Chancen und Herausforderungen für Holzspielzeuge

Header Chancen und Herausforderungen für Holzspielzeuge

Das gestiegene Umweltbewusstsein rückt nachhaltige Materialien ins Zentrum der Aufmerksamkeit 

Auf der Spielwarenmesse sehen die Fachbesucher jedes Jahr Hunderte Unternehmen, die qualitativ hochwertiges Spielzeug, Puzzles und Spiele aus Holz anbieten. Der Holzsektor gilt jedoch traditionell als eher träge und wird von den großen Spielwarenherstellern weltweit gerne links liegen gelassen. Das könnte sich jedoch ändern. Auf der letzten Spielwarenmesse® vor der Corona-Pandemie im Jahr 2020 war Nachhaltigkeit der wichtigste Trend überhaupt. In den Jahren davor hatte es stets nur ein paar wenige Unternehmen gegeben, die nachhaltige Produkte oder Initiativen vorstellten. Auf der Weltleitmesse 2020 war das Schlagwort Nachhaltigkeit dagegen in aller Munde. Und Holz ist ein sehr nachhaltiger Rohstoff, wenn es aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. In den letzten Jahren fragen Kunden, die für gewöhnlich Audits zu ethischem Verhalten verlangen, immer häufiger nach einem FSC-Zertifikat für die Verpackung oder das ganze Produkt, wenn es wie z.B. Brettspiele oder Puzzles aus Pappe hergestellt ist. Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine weltweit tätige nicht gewinnorientierte Organisation, die Holz zertifiziert, das aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Nachhaltigkeit ist weltweit ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt, was dazu führt, dass Holz und Produkte aus Holz wie Papier und Pappe immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. 

Holz schneidet immer noch besser ab als Bio-Kunststoffe 

Nicht nur die Verbraucher, sondern auch der Handel haben schon begonnen, überflüssiges Plastik in Spielzeugen und anderen Produkten abzustrafen. Spielzeug aus Holz könnte daher ein Teil der Lösung sein. In den letzten Jahren lässt sich beobachten, dass unnötiges Plastik bei Spielzeugverpackungen immer weniger wird. Die größte Herausforderung und auch das größte Risiko für die Spielzeugindustrie bleibt aber, dass die Spielzeuge selbst meistens aus Kunststoff bestehen. Und für dieses Problem gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Lösungen. Bio-Kunststoff ist sicher ein sehr interessantes Material für die Spielzeugbranche, das sich in Zukunft zu einer brauchbaren Alternative zu herkömmlichem Plastik entwickeln könnte. Aktuell ist dieser Werkstoff jedoch noch teuer, und der Preisdruck geht immer nur in eine Richtung, nämlich nach unten. Deswegen ist es wahrscheinlich, dass smarte Spielzeughersteller versuchen werden, mehr Holzspielzeug in ihr Produktangebot aufzunehmen oder zumindest dort, wo es möglich ist, einzelne Teile aus Holz zu fertigen.

Holzspielzeug kann heute auf vielfältige Art und Weise genutzt werden 

Es gibt einige beeindruckende Innovationen auf dem Markt für Holzspielzeug. Von atemberaubend schönen Musikbühnen aus Holz über 3D-Puzzles mit beweglichen mechanischen Teilen bis hin zu Aktionsfiguren aus Holz, die in Lizenz produziert werden. Holz ist in hohem Maße funktional und kann äußerst spannende Spielerlebenisse liefern. Oft wird Kunststoff einfach als Material genutzt, „weil das schon immer so gemacht wurde“, ist also nicht das Produkt einer bewussten Entscheidung. Wenn ein Unternehmen es aber ernst meint und zumindest teilweise auf Plastik verzichten will, dann gibt es zahlreiche Wege, wie dies erreicht werden kann.

Plattformen sind eine große Chance für Nischenprodukte 

Ein wichtiger Trend der letzten Zeit sind Plattformen für den Produktlaunch, die eine gute Chance für Nischenprodukte und Nischeninteressen sind. Die Eintrittsbarrieren für den Spielzeugmarkt werden immer niedriger, und gleichzeitig bietet die Nutzung von technologischen Plattformen für Nischenanbieter enorme Chancen. So bieten Crowdfunding-Plattformen wie Indiegogo und Kickstarter die Chance, dass zum einen Werkzeug- und Herstellungskosten für Produkte aus Kunststoff sichergestellt werden können. Darüber hinaus gibt es aber auch noch zahlreiche andere Möglichkeiten, mit denen alternative Produkte, Formate und Spielformen auf den Markt gebracht werden können, ohne sich dem Diktat des Massenmarktes beugen zu müssen. Wenn ein Spielzeughersteller eine überzeugende Story für neue Spielwaren aus Holz hat, dann kann er seine Ideen mithilfe von Plattformen für Crowdfunding in den Markt bringen.

Neben Crowdfunding ergeben sich auch aus dem pandemiebedingten Aufschwung von Amazon neue Chancen für Spielzeug aus Holz und anderen Materialien, weil die Amazon-Plattform eigentlich eine Suchmaschine ist. Wenn ein Kunde nach einem bestimmten Holzspielzeug sucht, kann er sich mithilfe von Amazon ganz bequem alternative Produkte anzeigen lassen. 

Die richtige Markenidentität hilft gegen Nachahmerprodukte 

Der Markt für Holzspielzeug steckt also voller Chancen. Es gibt aber auch einige Risiken. Da die Eintrittsbarrieren immer niedriger werden und eine Differenzierung durch das Design gegenüber Plastikspielzeug zunehmend in den Hintergrund tritt, ist es nicht immer einfach, sich vom Wettbewerb abzuheben. Der Handel weist nicht selten darauf hin, dass er Spielzeug auch direkt von den Herstellerfabriken beziehen kann. Da viele Holzspielzeuge eher klassischen Designmustern folgen, werden sie gerne als austauschbar angesehen, was dazu führt, dass der Preis das entscheidende Kriterium ist. Deswegen muss man als Hersteller von Holzspielzeug besonders viel Arbeit in den Aufbau einer Markenidentität stecken, um Nachahmerprodukten stets einen Schritt voraus zu sein. Wenn man es schafft, eine starke Marke mit einer noch stärkeren Produktentwicklungs-Pipeline aufzubauen, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. 

Der Nachhaltigkeitsgedanke wird in der Spielwarenbranche und im Konsumgüterbereich überhaupt noch wichtiger werden. Die Verbraucher lehnen Plastik ab, das ist ein Fakt. Und sie werden uns nicht vorab darüber informieren, ab wann sie unsere Spielzeuge nicht mehr kaufen werden, die vielleicht immer noch tolle Spielsachen sind, aber nicht den Nachhaltigkeitskriterien genügen, weil sie hauptsächlich aus Kunststoff hergestellt sind. Es ist durchaus möglich, dass ein bestimmter Trend oder ein konkretes Ereignis dazu führt, dass die Verbraucher in Scharen ganz auf Plastik verzichten. Wenn das der Fall ist, dann müssen Spielzeughersteller – wenn sie das nicht schon längst gemacht haben – ihr Risiko dadurch abfedern, dass sie ihr Produktangebot diversifizieren und Produkte entwickeln, die aus nachhaltigeren Materialien hergestellt werden. Dazu gehört zum Beispiel der Werkstoff Holz, der schon seit jeher Eltern und Kindern gleichermaßen anspricht und dabei auch noch nachhaltig ist.
 

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