Nachhaltigkeit

Spiel es noch einmal!

Ein zweites Leben für Spielzeuge
Header Ein zweites Leben für Spielzeuge

Was passiert mit Spielwaren, wenn Kinder zu alt dafür geworden sind oder das Interesse am jeweiligen Spielkonzept abnimmt? Glücklich ist, wer im privaten Netzwerk aus Familie und Freunden die passenden Abnehmer hat. Denn dann erlebt man ganz direkt, wieviel Freude Spielzeug auch bei der Zweitverwendung machen kann. Das ist Kreislaufwirtschaft im besten Sinne, von der Kinder und Umwelt gleichermaßen profitieren.

Die französische Unternehmerin Claire Tournefier hat diesen Zusammenhang erkannt und ihn in einen größeren sozialen und ökologischen Zusammenhang gestellt: Seit dem Jahr 2010 sammelt das von ihr gegründete Start-up Rejoué („Neugespielt“ oder „Wiedergespielt“) gut erhaltenes Spielzeug und vermittelt es an Kinder in der Region Ile de France rund um Paris. Gleichzeitig unterstützt Rejoué seit 2012 Menschen bei der Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. Derzeit, erklärt Rejoué-Sprecherin Gabrielle Pinho, gibt es 60 solcher Arbeitsplätze sowie 20 feste Stellen bei Rejoué. Die Kernziele des Unternehmens sind ökologische und soziale Nachhaltigkeit.

Zweites Leben für das Spielzeug

Rejoue Spielzeug-Reparatur
Das Team von Rejoué bereitet pro Jahr rund 55.000 Spielzeuge auf. 

Die gebrauchten Spielwaren werden kontrolliert, gereinigt und nach Möglichkeit auch aufgearbeitet, bevor sie ein zweites Leben bekommen. Mittlerweile vermittelt Rejoué auf diese Weise rund 55.000 Spielzeuge im Jahr. Neben dem Shop in Paris spielt hier vor allem der Standort in Vitry sur Seine eine zentrale Rolle. Er ist die Anlaufstelle der Teams von Kindertagesstätten und ähnlichen pädagogischen Einrichtungen, die hier eine große Auswahl an Spielwaren für ihre Arbeit finden. Auch Spielzeugbibliotheken gehören zu den Kunden. Zudem gibt es eine durch Sponsoring ermöglichte Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, um vor allem sozial benachteiligte Kinder direkt mit Spielzeug unterstützen zu können.

Wie groß das Potenzial der Zweitnutzung von Spielwaren ist, sagt auch Sabine Mecklenburg-Dorn, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Oxfam in Nürnberg: Rund 3 Milliarden Euro würden heute jährlich allein in Deutschland für Spielwaren ausgegeben. Wenn aber Kinder das Interesse an den jeweiligen Artikeln verlören, seien „solche schon einmal geliebten Spielsachen“ in den 55 Oxfam-Shops genau richtig – vorausgesetzt, dass sie noch in gutem Zustand und im Fall von Stoff- und Kuscheltieren auch frisch gewaschen sind.

Mehrfach Gutes tun

Rejoué Boutique
Eingang zu einem Rejoué Geschäft voller wiederaufbereitetem Spielzeug.

„Als ehemaliger Lehrerin gefällt mir besonders gut, dass Secondhand-Spielzeug über die Oxfam Shops mehrfach Gutes tun kann“, sagt Frau Mecklenburg-Dorn. Denn die Gewinne kommen der Arbeit der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation zugute. Beispielsweise werden Bildungsprojekte für Kinder im Globalen Süden unterstützt, die so eine Schule besuchen können, um lesen und schreiben zu lernen. Das kann der Grundstein dafür sein, sich eine nachhaltige Existenz aufzubauen und sich dauerhaft aus der Armut zu befreien. 

Das Thema Spielzeug und Kreislaufwirtschaft haben mittlerweile auch viele Hersteller erkannt. So stellte beispielsweise Mattel im Mai 2021 das Programm „PlayBack“ vor: Es ermöglicht Familien, ihrem ausgedientem Mattel-Spielzeug ein zweites Leben zu schenken. In diesem Fall denkt das Unternehmen in der Kategorie von Werkstoffen, nicht von kompletten Produkten. Denn Recycling heißt bei Mattel, dass die enthaltenen Kunststoffe aufbereitet und als Rohmaterial für Geräte von Spielplätzen verwendet werden. Der Ansatz passt sehr gut zum Ziel von Mattel, Spielzeuge und Verpackungen bis zum Jahr 2030 komplett auf „recycelte, recycelbare oder biobasierte Kunststoffe“ umzustellen.

Die Erfolgsgeschichte beflügelt

Rejoue Toy-cycle DE
Schematischer Überblick der Rejoué Spielzeug-Kreislaufwirtschaft.

Im Vergleich dazu sind Initiativen wie Rejoué dichter dran am eigentlichen Spielzeug als Produkt. Die Palette, der wieder in Gebrauch gebrachten Produkte umfasst neben Spielzeugen auch Gesellschaftsspiele sowie Bücher, erklärt Gabrielle Pinho. Die Artikel werden für gewöhnlich von Privatleuten sowie von Unternehmen gespendet. Rejoué finanziert sich bislang zu 22 Prozent selbst, der Rest seiner Kosten wird über öffentliche Förderung und private Spenden gedeckt. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat das Unternehmen deutlich zu spüren bekommen: Neben einem rund achtwöchigen Lockdown des Betriebs gab es längerfristige Einschränkungen der Produktion. Auch die Zahl der Sammelpunkte und die Frequenz der Nutzer in den Stores hatte sich verringert.

Unterkriegen lässt sich das Team aber auf keinen Fall: Für das laufende Jahr plant Rejoué, die Aktivitäten zu stärken. Dazu gehört vor allem, die Wiedereingliederung von Menschen in den Arbeitsmarkt wieder aufzunehmen und dabei auch auf veränderte Bedingungen nach dem Ende der Corona-Krise zu reagieren. Auch die Zahl der wiedervermittelten Spielzeuge soll ab 2021 wieder deutlich steigen. 

Die Erfolgsgeschichte von Rejoué beflügelt auch andere Initiativen. Und das Unternehmen gibt seine Erfahrungen gerne an sie weiter. So hat es beispielsweise den Anstoß gegeben für die Gründung von „Rejouons Solidaire“. So heißt ein Netzwerk von sieben Anbietern für die nachhaltige Zweitverwertung von Spielwaren in Frankreich. 
 

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