Nachhaltigkeit

Bioviva made in France – Nachhaltigkeit spielerisch erlernen

Interview mit Jean-Thierry Winstel
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Jean-Thierry Winstel, wie kam es, dass Sie bereits 1996 einen Verlag gründeten, den Sie ganz der Nachhaltigkeit widmeten?

Portrait Jean-Thierry Winstel

Jean-Thierry Winstel

Als junger Hochschulabsolvent war ich in der Karibik und hatte den Auftrag, unter der Schirmherrschaft einer lokalen Stiftung ein Meeresschutzgebiet einzurichten. Angesichts der Schwierigkeiten, die lokalen Akteur*innen davon zu überzeugen, die aufgestellten Regeln zu respektieren, hatte ich den Eindruck, dass es ein Bildungsproblem gebe, ein Problem, die Probleme zu verstehen... und ich dachte, dass ein Spiel eine gute Möglichkeit ist, das Bewusstsein für Umweltfragen zu schärfen!

So habe ich mich auf das Abenteuer eingelassen, ein Lernspiel zu entwerfen, das auf einer neuen und nachhaltigen Art von Natur basiert: Bioviva. Das Spiel ist immer noch erhältlich - jetzt in seiner neuen Version. In Frankreich ist es zum Referenzspiel für Familienspiele über die Natur geworden, das originelle Fragen und Antworten mit lustigen Herausforderungen verbindet.

Spiele nachhaltig produziert "made in France": Was macht ein Spiel nachhaltig und was sind die größten Herausforderungen bei der ökologischen Spieleproduktion?

Jean-Thierry Winstel

Wir sind davon überzeugt, dass der Respekt vor der Erde Teil eines globalen und langfristigen Ansatzes sein muss. Daher haben wir immer darauf geachtet, dass unsere Aktivitäten die Umwelt so wenig wie möglich belasten.

Deshalb wählen wir unsere Rohstoffe (Papier, Pappe, Holz, Tinten, Farben, Lacke) sowie deren Herkunftsort sorgfältig aus, um die Transportwege so kurz wie möglich zu halten. Wir verwenden pflanzliche Druckfarben und FSC-zertifiziertes Papier und keine Kunststoffe. Zusätzlich produzieren wir 100 Prozent unserer Spiele mit erneuerbarer Energie (Solarstrom), die direkt von den Solarzellen des Produktionsstandorts stammt. 
 

Bioviva Nature Challenge Spielkarten und Spielkarton

Die größte Herausforderung bestand für uns darin, das Projekt vor 25 Jahren zu verteidigen: Nur wenige Menschen interessierten sich für die – heute offenkundigen – Probleme der nachhaltigen Entwicklung. Und noch weniger glaubten an die Idee, Spiele zu diesem Thema mit einem kohärenten Ansatz zu entwickeln, der die Umwelt und die französische Produktion respektiert. Die Produktion in Frankreich ist zwar teurer, aber langfristig gesehen ist dieser Ansatz nachhaltiger. 

Heutzutage loben die Verbraucher*innen die unterhaltsamen und lehrreichen Spiele sowie das Engagement der Marke: französische Produktion, Respekt vor der Umwelt und ein nachgewiesenes Engagement unserer Marke für soziale Belange.
 

Wie gelingt es einem Spiel, ökologische Inhalte zu vermitteln?

Jean-Thierry Winstel

Wir von Bioviva sind der Meinung, dass Spiele der beste Weg sind, um zu lernen und sowohl Jung als auch Alt zu befähigen, die Probleme des Umweltschutzes zu verstehen, damit sie danach handeln können. Alle unsere Spiele sind pädagogisch wertvoll und ermöglichen es Kindern und Erwachsenen jeden Alters, viel über die Welt um sie herum zu erfahren und sie zu ermutigen, eine fürsorgliche Haltung gegenüber der Natur einzunehmen.

Bitte erzählen Sie uns etwas über den Club "Nature Challenge“ mit fast 40.000 Mitgliedern: Was ist die Idee dahinter?

Jean-Thierry Winstel

Wir haben den Nature Challenge Club 2018 anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Marke Nature Challenge ins Leben gerufen und auch als Reaktion auf die Begeisterung der Kinder für unsere Nature Challenge Kartenspiele mit über 4 Millionen verkaufte Exemplare weltweit. 

Der Nature Challenge Club wurde im Februar 2018 während einer großen Veranstaltung in Frankreich eröffnet und hatte innerhalb einer Woche über 10.000 Anmeldungen! Kinder, die Mitglied im Club sind, können ihre Meinung zu den neuen Spielen in Umfragen abgeben und erhalten zweimal im Jahr ein kostenloses Magazin sowie exklusive Vorabinformationen! 

Kooperieren Sie mit Schulen? Wenn ja, würden Sie uns bitte aufzeigen, wie die Beteiligten von der Zusammenarbeit profitieren?

Jean-Thierry Winstel

Wir arbeiten mit einigen Schulen in unserer Region zusammen, um unsere Spiele zu testen, bevor wir sie auf den Markt bringen. So bekommen wir ein direktes Feedback von den Kindern und können die Spiele an ihre Wünsche und Bedürfnisse anpassen. Und die Lehrer*innen können eine unterhaltsame und innovative Unterrichtseinheit anbieten, bei der die Kinder lernen und gleichzeitig Spaß haben. 

Wir würden auch die „Stiftung Bioviva“ (Fondation bioviva) gerne näher kennenlernen! Warum haben Sie diese gegründet und welche Erfolge können Sie bislang vorweisen? 

Jean-Thierry Winstel

Die Stiftung Bioviva wurde 2017 gegründet. Ihr Ziel ist es, Kindern in sozial schwachen und ausgegrenzten Situationen zu ermöglichen, spielerisch zu lernen und sich spielerisch zu bilden – in Frankreich und auf der ganzen Welt. 

Jeder Mensch lernt im Leben durch das Spiel. Es kann Kindern in großen Schwierigkeiten Hoffnung geben oder wiederherstellen, Kontaktmöglichkeiten bieten und einen Mangel an Schulbildung teilweise ausgleichen.

Ich nenne Ihnen gerne ein paar Zahlen zu unserem ersten Projekt. 50.000 Spiele wurden dank der Spenden von Privatpersonen und Unternehmen bereits produziert. Davon erreichten 12.000 Spiele im März 2018 den Irak, Jordanien, Syrien und den Libanon. Außerdem wurden 36.000 Spiele an 23 Nichtregierungsorganisationen (NRO) verteilt. Derzeit haben wir 28 Partner-Wohltätigkeitsorganisationen und Vertreter vom Spielevertrieb.

Das sind beeindruckende Zahlen! Danke, Jean-Thierry Winstel, für die spannenden Einblicke hinter die Kulissen von Bioviva.

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