Nachhaltigkeit

„Spielwaren ein zweites Leben schenken“

Interview mit Sabrina Bjöörn
Header Spielwaren ein zweites Leben schenken

Spielwarenmesse:

Frau Bjöörn, wie wichtig ist es den Nutzern der Circular App, für ihre geliebten Spielwaren eine nachhaltige Weiternutzung zu finden?

Portrait von Sabrina Bjöörn
Sabrina Bjöörn, SENS eRecycling 

Sabrina Bjöörn:

Spielwaren sind oft mit starken Emotionen verbunden, sind es doch Geschenke gewesen oder das eigene Kind oder Enkelkind hat damit gespielt. Diese positive Einstellung führt dazu, dass viele Nutzer der App die Möglichkeit ‚Spenden‘ wählen. Denn so können sie ihre Spielwaren mit gutem Gewissen einem neuen Zweck zuführen und einem anderen Kind ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Insgesamt wurden über die Plattform im Testzeitraum mehr als 250 Spielwaren gespendet.

Spielwarenmesse:

Der von Ihnen gerade erwähnte Test der App lief von Dezember 2021 bis Januar 2022 – wie viele Nutzer hatten Sie und was waren wichtige Erkenntnisse für die künftige Serienversion der App?

Sabrina Bjöörn:

Es gab rund 3.300 Besuchende auf der Circular App im Testzeitraum. Das ist ein echter Erfolg, denn es sind verhältnismäßig viele Personen für das Format. Uns hat diese Resonanz gezeigt, wie groß das Interesse am Recycling und der Wiederverwendung von Spielwaren ist. Das bestätigen auch die vielen positiven Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer, die uns über die verschiedensten Wege erreicht. Tenor ist: Wir haben mit der Plattform ein echtes Bedürfnis getroffen. Knapp zwei Drittel der Besuchenden suchten auf der Plattform nicht nur nach Informationen, sondern schauten, wie sie ihren ausgedienten Spielwaren optimal ein zweites Leben schenken konnten. So überrascht beispielsweise, dass vor allem danach gesucht wurde, was mit kaum gebrauchten Spielwaren zu tun ist. Es zeigt sich, dass viele Spielwaren zuhause haben, die sie noch nicht entsorgen möchten, da sie noch in tadellosem Zustand sind. Bei der Weitergabe war neben dem schon erwähnten Spenden vor allem die Option „Reuse“ beliebt, also das Weiterverkaufen von Spielwaren über etablierte Webseiten wie tutti.ch oder ricardo.ch. – aber auch über das Recycling wurden oft Informationen gesucht. Mit den verschiedenen Wegen konnte die Zielgruppe also optimal informiert und sensibilisiert werden.

Spielwarenmesse:

Welches spezifische Know-how hat SENS eRecycling in das Projekt eingebracht? Eigentlich liegt Ihr Schwerpunkt im Bereich Elektronik und Elektrik – der Bereich Spielwaren ist im Vergleich dazu viel größer.

Sabrina Bjöörn:

Stimmt, wir sind Expertin für den nachhaltigen Umgang mit ausgedienten Elektrogeräten. Das konfrontiert uns tagtäglich mit den verschiedensten Herausforderungen, die deren Recycling mit sich bringt: unterschiedliche Wertstoffe im gleichen Produkt, die Entsorgung von Schadstoffen, aber auch die Verarbeitung mit unterschiedlichsten Prozessen. Und dieses Know-how lässt sich wunderbar in anderen Bereichen umsetzen – auch solche ohne Elektronik! Auf unserer Plattform hat es sich bei rund einem Viertel der Anfragen um elektronisches oder elektrisches Spielzeug gehandelt – diese Geräte fielen direkt in unseren Kompetenzbereich. Bei allen anderen Produkten konnten wir unser Netzwerk dazu nutzen, sie einem fachgerechten Recycling zukommen zu lassen, oder ihnen ein zweites Leben zu schenken.

Spielwarenmesse:

Der Testlauf im Winter war rundum positiv. Wo steht das Projekt derzeit?

Sabrina Bjöörn:

Aktuell wird die Plattform weiterentwickelt. Dabei legen wir den Fokus auf Elektrogeräte aller Kategorien und nicht nur auf Spielwaren. Denn was bei Spielwaren wichtig ist, das ist auch wichtig bei Elektrogeräten aller Art! Unser Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, die Konsumentinnen und Konsumenten mit Herstellern und Anbietern von Angeboten im Sinne der Kreislaufwirtschaft zusammenbringt. So schenken wir Produkten ein zweites Leben und schützen damit aktiv unsere Umwelt.

Spielwarenmesse:

Ihr Ansatz ist sehr vielfältig, indem sie stoffliche Verwertung, Verkauf und Verschenken anbieten. Würden Sie das Vorgehen auch für den Umgang mit anderen Produktbereichen anraten?

Sabrina Bjöörn:

Auf jeden Fall! Denn unsere Rohstoffe sind endlich und ihr Abbau kann oft Umweltschäden und soziale Probleme verursachen. Überall dort, wo es ökologisch Sinn macht, sollten solche Konzepte und Angebote gefördert werden. Ganz wichtig dabei: Unser Ziel ist es, auch die sogenannten inneren Kreisläufe zu schließen, die der direkten Lebensverlängerung von Produkten dienen. Denn ökologisch und auch ökonomisch macht es doch keinen Sinn, ein noch funktionierendes Produkt zu zerstören. Hier kann unser Projekt aus dem Bereich Spielwaren ein Vorbild sein, das sich auf andere Produktbereiche ausweiten lässt.

Spielwarenmesse:

Die Spielwarenbranche diskutiert derzeit immer wieder über die Verwendung von Rezyklaten als Rohstoff. Ist das die logische Verlängerung des Ansatzes, den Sie mit der App verfolgen?

Sabrina Bjöörn:

Wir begrüßen, dass vermehrt auf Rezyklate als Rohstoff zurückgegriffen wird. Denn sie sind qualitativ oft gleichwertig zu neu hergestellten Materialien. Sinnvoll wäre es auch, Spielwaren zu recyceln, daraus wertvolle Sekundärrohstoffe zu generieren und diese dann für die Neuproduktion einzusetzen. Dieser Kreislaufgedanke macht es umso wichtiger, Spielwaren so zu gestalten, dass sie an ihrem Lebensende ohne Verluste recycelt werden können. Vor diesem Schritt sollten wir uns alle aber immer fragen, ob ein Spielzeug nicht noch verkauft, gespendet oder repariert werden kann – für ein zweites Leben, das einem Kind neue Freude bereitet.

Schon unseren Newsletter abonniert?

Expertenwissen, die neuesten Trends und aktuelle Entwicklungen der Branche. Bleiben Sie mit dem monatlichen Besuchernewsletter der Spielwarenmessetop informiert