Nachhaltigkeit

Lizenzen und Nachhaltigkeit

Angesichts der steigenden Nachfrage nach umweltfreundlichen und nachhaltig produzierten Spielwaren sind fast alle großen Lizenzgeber dazu übergegangen, das Thema Nachhaltigkeit von Produkten und Verpackung gegenüber ihren Lizenznehmern zu thematisieren. Die Lizenzgeber geben mittlerweile die Nachhaltigkeitsstandards, zu denen sie sich selbst verpflichtet haben, auch an ihre Lizenznehmer weiter.

Große Spielwarenunternehmen als Lizenzgeber

Die großen Player im Spielwarenmarkt wie Lego, Hasbro, Mattel, Bandai, Spinmaster oder Jazwares sind nicht nur Hersteller von Spielzeug, sondern auch Lizenzgeber. Dafür vergeben sie die Nutzungsrechte an ihren geistigen Eigentumsrechten an Unternehmen, die in ganz anderen Konsumgüterkategorien tätig sind, selbst Lizenzen im Entertainmentbereich vergeben (z.B. Disney, Marvel, D.C, Comics, Harry Potter, Star Wars) oder auf Drittlizenzen zurückgreifen (z.B. Hot Wheels). Alle diese großen Player haben in letzter Zeit ihr Engagement in Sachen Nachhaltigkeit spürbar erhöht.

Das US-Unternehmen Hasbro, das Ikonen wie Nerf, My Little Pony, Transformers, Play-Doh, Monopoly, Baby Alive und Power Rangers im Programm hat, hat sich z.B. mit Disney, Marvel und Star Wars zusammengetan. Hasbro war 2018 das erste große Spielwarenunternehmen, das in den USA ein Recyclingprogramm ins Leben gerufen hat. Im Rahmen einer Partnerschaft mit TerraCycle werden „ausgediente“ Spielwaren recycelt und dürfen ein zweites Leben als Spielplatzkomponenten, Parkbänke oder Pflanzgefäße führen.

Bis Ende 2022 will das weltweit agierende Unternehmen bei Neuprodukten gänzlich auf Plastikverpackungen verzichten.

Im Mai 2021 hat Mattel ein Rücknahmeprogramm für Spielwaren mit dem Namen Mattel PlayBack gestartet, mit dem Verbraucher die Lebensdauer ihrer Mattel-Spielsachen verlängern können, wenn sie nicht mehr mit ihnen spielen wollen. Dadurch sollen die für Mattel-Spielzeuge verwendeten Rohstoffe zurückgewonnen und erneut verwendet werden. Ein Beitrag zum Erreichen eines ambitionierten Ziels – bis 2030 sollen zu 100% recycelte, recycelbare oder biobasierte Kunststoffe bei der Herstellung von Mattel-Produkten und -Verpackungen verwendet werden.

„Die Spielsachen von Mattel sind auf Langlebigkeit ausgelegt und können von Generation zu Generation weitergegeben werden“, sagt Richard Dickson, Präsident und Chief Operating Officer bei Mattel. „Bei der Produktentwicklung sind wir stets bestrebt, etwas Neues zu erschaffen, und eine wichtige Neuerung ist eben die Suche nach nachhaltigen Lösungsansätzen. Das Mattel PlayBack-Programm ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir die Materialien aus ausgedienten Spielsachen in Rohstoffe für neue Produkte umwandeln.“

Genau vor einem Jahr hatte die LEGO Group angekündigt, in den kommenden drei Jahren bis zu 400 Mio. US-Dollar in die Intensivierung seiner Sustainability und Social Responsibility-Initiativen zu investieren. Dabei handelt es sich zum einen um langfristig angelegte Investitionen, aber es fließt auch Geld in den laufenden Geschäftsbetrieb. Die Dänen haben in den letzten zehn Jahren bereits diverse Programme im Bereich Umweltschutz und Nachhaltigkeit aufgelegt, weil man bei LEGO überzeugt ist, dass die Zeit drängt und Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und im sozialen Bereich höchste Priorität haben. 

In einem nächsten Schritt will das Unternehmen dann Einweg-Plastikumverpackungen verbannen, in denen die losen Steine in den LEGO-Kartons bisher in den Handel gelangt sind. Diese Maßnahme ist Teil der Strategie, die darauf abzielt, Ende 2025 nur noch nachhaltig produzierte Verpackungen zu verwenden. Seit diesem Jahr wagt man daher einen Versuch mit FSC-zertifizierten recycelbaren Papierbeuteln, die die bisher verwendeten Plastikbeutel ersetzen sollen.

Neben der Entwicklung und dem Einsatz nachhaltiger Materialien setzt das 400 Mio. US-Dollar schwere Investitionsprogramm von LEGO aber auch auf andere Maßnahmen im Bereich Soziales und Umweltschutz, durch die Kinder einerseits zum spielerischen Lernen animiert und andererseits das Geschäftsmodell stärker an den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ausgerichtet werden soll. Ziel ist das Erreichen einer CO2-Neutralität. All diese Schritte sind auf einen sinnvollen und langfristigen Wandel ausgelegt, mit dem zwei der von den Vereinten Nationen ausgerufenen Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können – hochwertige Bildung und nachhaltiger Konsum und Produktion.

Der Handel spielt eine wichtige Rolle

Zahlreiche große Handelsunternehmen sind ebenfalls nach vorne geprescht und haben ihren Zulieferern konkrete Nachhaltigkeitsziele vorgegeben. So gab z.B. Walmart, der größte Einzelhändler weltweit, im letzten Jahr bekannt, dass man bei Eigenmarken den Kunststoffanteil bei den Verpackungen für Bekleidung, Lebensmittel, Non-Food und Health & Beauty reduzieren will. Ganz konkret will man zusammen mit den Zulieferern erreichen, dass bei sämtlichen Eigenmarken in den USA bis 2025 nur noch recyclingfähige, wiederverwendbare oder industriell kompostierbare Verpackungslösungen eingesetzt werden. Angepeilt wird eine Recyclingquote von mindestens 20% bis 2025. Außerdem sollen bis 2022 alle Verpackungen von Eigenmarken aus den Segmenten Lebensmittel und Konsumgüter mit einem „How2Recycle“-Label versehen werden. Walmart will zusätzlich seine gesamte Lieferkette auf den Prüfstand stellen, die nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Zulieferer umfasst. Und auch Target, zweitgrößter Discounter in den USA, hat seine Lieferanten bereits zur Einhaltung konkreter Nachhaltigkeitsvorgaben verpflichtet.

Die Pandemie hat die Menschheit wachgerüttelt

Zwar gab es auch vor der Pandemie bereits große Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit, aber in den zurückliegenden 18 Monaten haben viele Unternehmen ihre Anstrengungen noch weiter intensiviert. Vielleicht hat die Coronakrise dazu beigetragen, dass die Menschheit einen Gang zurückgeschalten hat und sich bewusst geworden ist, dass der Schutz der Umwelt an erster Stelle stehen muss. Denn eines ist klar: Wenn wir es mit der Rettung unseres Planeten wirklich ernst meinen, dürfen wir bei unseren Maßnahmen zur Verwendung nachhaltiger Produkte und Verpackungen nicht nachlassen.

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