Nachhaltigkeit

Nachhaltiges Spielzeug in den USA

Damals (und auch heute noch) war es teurer, nachhaltige Materialien einzukaufen und zu verwenden. Diese Kosten müssen in irgendeiner Form an den Verbraucher weitergegeben werden. Meine Antwort damals lautete: „Ja, bis zu einem gewissen Grad“. Verbraucher, die im Spielwarenfachhandel einkauften, suchten auch nach Green Toys und waren schon damals an qualitativ besseren Produkten interessiert, die als höherwertig perzipiert wurden. Da umweltfreundliches Spielzeug häufig aus Kautschuk und anderen nachhaltigen Naturprodukten hergestellt wurde, waren diese Produkte in der Regel auch haltbarer als ihre Äquivalente aus Kunststoff.

Mittlerweile ist nachhaltiges Spielzeug in den USA schon lange nicht mehr nur etwas für kleine spezialisierte Hersteller, die den höherpreisigen unabhängigen Spielzeugeinzelhandel beliefern, denn die Produktionskosten haben sich verringert, während das Bewusstsein der Verbraucher enorm zugenommen hat. Erderwärmung und Umweltschutz sind heute für die Verbraucher in den USA ein Schlüsselthema.

Laut einer Umfrage, die die GreenPrint Corporation 2021 zu Nachhaltigkeitsfragen durchgeführt hat, sind knapp zwei Drittel (64%) der Amerikaner bereit, mehr für nachhaltige Produkte auszugeben. Darüber hinaus sind 78% eher geneigt, ein Produkt zu kaufen, das klar als umweltfreundlich gekennzeichnet ist. Gleichzeitig hat aber eine Mehrheit der Amerikaner ihre Zweifel, wenn Unternehmen behaupten, dass sie umweltfreundlich wirtschaften. 45% der Befragten gaben an, dass sie sich eine Bestätigung von einem unabhängigen Dritten wünschen.

Die Befragung zeigt auch, dass es bei den Millennials sogar satte 75% sind, die bereit sind, für umweltfreundliche und nachhaltig produzierte Produkte tiefer in die Tasche zu greifen. Zum Vergleich: Bei der Generation Z sind es 63%, bei Generation X 64% und bei den Babyboomern nur noch 57%.

Nachhaltigkeit betrifft aber nicht nur das Spielzeug selbst, sondern auch die Verpackung. Eltern finden es alles andere als toll, wenn ein Berg Plastik im Wohnzimmer herumliegt, nachdem ihr Kind ein neues Spielzeug ausgepackt hat. Nachhaltige Verpackungen und generell weniger Umverpackung kommen sowohl bei Verbrauchern als auch bei Schenkenden besser an. Deshalb versuchen Unternehmen, einerseits Plastikverpackungen durch nachhaltigere Materialien zu ersetzen und machen andererseits die Verpackung selbst zu einem Bestandteil des Spielzeugs, sodass überhaupt kein Abfall mehr anfällt. Ein gutes Beispiel dafür sind die Sets von hand2mind, bei denen man mit entsprechendem Werkzeug Edelsteine ans Tageslicht befördern kann. Die Verpackung des Produkts ist gleichzeitig Schaukasten, mit dem die Kinder ihre Funde präsentieren und ihren Freunden etwas über sie beibringen können. Das Nudelausstechspiel von Learning Resources zur Förderung der Feinmotorik wird ebenfalls abfallneutral geliefert, weil die Verpackung zum einen als Spielbrett und zum anderen zum Aufbewahren der verschiedenen Komponenten genutzt werden kann.

In den letzten 20 Jahren hat sich in der Spielzeugbranche in den USA viel getan. Während es früher nur einige wenige kleinere umweltbewusste Anbieter gab, versuchen jetzt zahlreiche Firmen unterschiedlichster Größe, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. So haben z.B. Melissa & Doug unlängst ein Projekt mit dem Namen Restore gestartet, mit dem sichergestellt wird, dass bis 2025 mehr als die Hälfte der Produkte aus Holz hergestellt wird, das aus nachhaltigen, verantwortlich gemanagten Wäldern stammt und FSC-zertifiziert ist.

Weil es für die Hersteller häufig nicht so einfach ist, die Produktion hin zu mehr Nachhaltigkeit umzustellen, hat der amerikanische Spielwarenverband ein Tool mit dem Namen Smart Packaging Initiative (SPI) eingeführt, das Unternehmen dabei helfen soll, ihre Verpackung unkompliziert zu ändern und so die Umwelt zu schützen – auch bei der Entwicklung innovativer Verpackungskonzepte. Das in Zusammenarbeit mit The Walt Disney Co. entwickelte SPI-Tool gibt Firmen die Möglichkeit, die Umweltauswirkungen ihrer Verpackungen zu ermitteln, Alternativen zu testen und festzustellen, wie sich ihr Verpackungsdesign im Vergleich zu dem anderer Branchen-Player schlägt. Das Tool steht allen Mitgliedern des Spielzeugverbands zur Verfügung.

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