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Die richtigen Spielsachen für hochbegabte Kinder finden

Herausforderung und Chance zugleich
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Immer mehr Hersteller sind in letzter Zeit auch dazu übergegangen, Spielwaren für Kinder mit besonderen Bedürfnissen anzubieten. Das ist eine gute Sache, allerdings richtet sich das Angebot meist an Kinder mit Behinderungen. Es gibt aber auch noch andere Kinder mit ganz speziellen Bedürfnissen, die davon profitieren würde, wenn die Spielwarenhersteller sie stärker in den Fokus nehmen würden. Ich denke hier an Kinder mit Hochbegabung, deren Bedürfnisse häufig übersehen werden, weil viele Menschen glauben, dass man es als hoch begabtes Kind sowieso viel zu einfach hat.

Warum bestimmte Spielsachen für hochbegabte Kinder besonders gut geeignet sind

Hochbegabt sind Menschen, die in den Bereichen Bildung, Kunst, Kreativität oder Sport bessere Leistungen erbringen als ihre Altersgenossen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Leben für diese Kinder ein reines Zuckerschlecken ist. Vielmehr benötigen sie in manchen Bereichen besondere Unterstützung.

Wir müssen uns klarmachen, dass hochbegabte Kinder besondere Bedürfnisse haben und dass gerade die Spielwarenindustrie hier viel tun kann. Zum Beispiel wäre es sinnvoll, ihnen Produkte anzubieten, mit denen sie einerseits ihr intellektuelles oder schöpferisches Potenzial ausschöpfen und sich andererseits sozial und emotional weiterentwickeln können, weil sie in diesen Bereichen häufig Defizite haben.

Die Entwicklung hochbegabter Kinder verläuft in der Regel asynchron, d.h. sie befinden sich auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen. So kann ein Kind, das körperlich die Konstitution eines Siebenjährigen hat, intellektuell bereits auf der Stufe eines Zehnjährigen stehen und gleichzeitig die Impulskontrolle eines Fünfjährigen haben. Für Eltern und Pädagogen ist es daher mitunter schwierig, das richtige Spielzeug für diese Kinder zu finden, denn die Altersangaben der Hersteller helfen hier nicht wirklich weiter – eine spannende Aufgabe für die Spielzeugindustrie.

Natürlich ist die Zielgruppe der Kinder mit Hochbegabung alles andere als einheitlich, weil jedes Kind anders ist. Trotzdem gibt es einige Gemeinsamkeiten, an denen sich die Branche orientieren kann, um sinnvolles und nützliches Spielzeug für hochbegabte Kinder zu entwerfen.

Förderung der natürlichen Lernbereitschaft

Intelligente und begabte Kinder zeichnen sich gelegentlich durch geringe Motivation und Leistungsbereitschaft aus. Studien zeigen, dass ein Teil der Hochbegabten in der Schule eher schlechte Leistungen erbringt. Diese Kinder wollen zwar lernen, aber nicht so, wie an herkömmlichen Schulen Wissen vermittelt wird.

So kann ein Achtjähriger beispielsweise stundenlang nach Steinen suchen, sich mit geologischen Fragestellungen auseinandersetzen oder ein anspruchsvolles Buch über Mineralien lesen und gleichzeitig nicht in der Lage sein, seine Hausaufgaben in Deutsch ordentlich zu machen. Kinder, die sich beim Lernen sehr leichttun, haben oft Probleme bei der Umsetzung. Nicht vergessen werden darf auch, dass die Begabung nicht immer in allen Fächern gleich hoch ist. 

Und hier kommt die Spielwarenbranche ins Spiel: In der Regel sind hochbegabte Kinder sehr gut darin, sich eigenständig Wissen anzueignen, wenn sie etwas wirklich interessiert. Daher macht es Sinn, ihnen Spielzeug anzubieten, das verschiedene Interessengebiete abdeckt und gleichzeitig andere Fertigkeiten fördert. Kinder, die sich für Mineralogie interessieren, können beispielsweise mit dem Mineralogie-Puzzle von Hinkler ihre Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit steigern und gleichzeitig noch mehr über Mineralien lernen.

Außerdem müssen wir uns von dem Klischee des Sonderlings verabschieden, das noch in vielen Köpfen herumspukt. Die meisten hochbegabten Kinder sind nämlich viel cooler als man denkt. Viele sind ausgesprochen beliebt, haben Sinn für Humor und sind gar nicht so ernst wie es gerne behauptet wird. Das sollte man nicht nur bei der Entwicklung des Spielzeugs, sondern auch bei der Gestaltung der Verpackung und der Werbemittel berücksichtigen. Ein gutes Beispiel für eine gelungene Umsetzung sind die Produkte der Linie Crazy Science von Lisciani.

Crazy Science Explosive Experimente im Labor, Lisciani

Spielwaren, die einfach guttun

Oft erwartet das Umfeld von intellektuell überdurchschnittlich gut entwickelten Kindern, dass sie sich auch sonst reifer verhalten. Tatsächlich haben aber gerade diese Kinder häufig Probleme auf der sozialen und emotionalen Ebene. Sie können vielleicht früher multiplizieren als andere, haben dafür aber eine schlechtere Impulskontrolle. Auch das stellt Elternhaus und Schule oft vor große Herausforderungen.

Kinder, die sich mit dem Erwerb von Wissen leichttun, müssen ganz besonders bei ihren sozialen Interaktionen und der Steuerung ihrer Gefühle unterstützt werden, und zwar so früh wie möglich. Die Spielwarenbranche hat die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechende Angebote auf den Markt gebracht.

Bei Spielsachen zur Förderung sozialer Kompetenzen muss darauf geachtet werden, dass hochbegabte Kinder in der Regel glauben, dass sie Recht haben und sich eher schwer damit tun, ein gemeinsames Ziel zu erreichen und dafür Verantwortung an andere abzugeben. Deshalb ist es sinnvoll, ihnen Spiele anzubieten, die eher kooperatives Verhalten fördern und nicht so wettbewerbsorientiert sind. Ein Beispiel hierfür ist Hero Town von Djeco.

Hero Town, Djeco

Wenn es um die emotionale Intelligenz geht, dürfen Sie nicht vergessen, dass Kinder mit Hochbegabung meist sehr sensibel sind. Sie erleben Dinge häufig sehr intensiv und können dadurch leichter aus dem Gleichgewicht gebracht werden als andere Kinder. Deswegen müssen sie unbedingt an ihrer emotionalen Intelligenz arbeiten. Eltern und Erzieher können einen wertvollen Beitrag dazu leisten, indem sie von frühester Kindheit an Spielsachen wie die Holzkugeln Emotionsmix von Haba, Building Basics Build & Learn Emotions von Mega Blocks oder das Magnetische Lernspiel „Emotionen“ von Janod anbieten.

Building Basics Build & Learn Emotions, Mega Blocks

So lassen sich hochbegabte Kinder erreichen

Zwar geht es hier um einen kleinen Teil der Gesamtbevölkerung, aber sowohl Eltern als auch Pädagogen erkennen zunehmend, wie wichtig es ist, Kinder mit Hochbegabung richtig zu fördern. Das lässt sich auch daran erkennen, dass vermehrt online nach diesem Thema gesucht wird. Einige Hersteller und Händler machen sich diesen Umstand bereits zunutze und kennzeichnen ihre Produkte entsprechend. So gibt es z.B. bereits Websites, die speziell für den Vertrieb von Spielwaren für Kinder mit Hochbegabung entwickelt wurden.

Mit steigender Relevanz der Zielgruppe wird es auch für Spielwarenhersteller immer wichtiger, passende Produkte auf den Markt bringen und entsprechend zu bewerben. Eigentlich eine Win-Win-Situation: die Hersteller haben eine Zielgruppe, die noch ganz wenig erforscht und bearbeitet ist, und Eltern und Pädagogen freuen sich, wenn ihnen mehr Produkte und Spielsachen angeboten werden, mit denen sie die kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten hochbegabter Kinder richtig verstehen und fördern können.

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