Spielelabor

Spielzeugdesign made in Taiwan

Drei innovative Spielzeugmarken aus Taiwan
Holzspielzeug entworfen von Carpenter

In den 1960er Jahren war Taiwan für viele Länder in der ganzen Welt die verlängerte Werkbank, wenn es um die Produktion von Spielwaren ging. Das taiwanesische Taishan galt einst als Heimat der Barbie-Puppe von Mattel, und tatsächlich stammte die erste Barbie aus einer Fabrik in dieser Stadt. Mit der Zeit wurden jedoch die meisten Fertigungsbetriebe auf das chinesische Festland verlagert, sodass die Spielzeugindustrie in Taiwan nach und nach immer mehr an Bedeutung verlor.

Drei innovative taiwanesische Spielzeugmarken

Wo steht die taiwanesische Spielzeugindustrie heute? Die Spielzeughersteller im Land waren in der Vergangenheit nicht untätig und haben einen Wandel eingeleitet: „Made in Taiwan“ ist abgelöst worden durch „Designed in Taiwan“. Stellvertretend für diese Entwicklung berichten wir heute über drei Marken, die alle in Taiwan entwickelt wurden und jetzt eine neue Tür für die taiwanesische Spielzeugindustrie aufstoßen könnten.

 

1. Arnos Design haucht alten Erfindungen neues Leben ein

Arnos Design ist bekannt für seine handgefertigten Spielzeuge, die sich an traditionellen fernöstlichen Vorbildern orientieren. Denn viele Techniken, die für uns heute ganz selbstverständlich sind, sind Abwandlungen von Erfindungen, die vor langer Zeit gemacht wurden. Am bekanntesten ist vielleicht die Armillarsphäre, die auch Weltmaschine genannt wird und in vielen Geschichtsbüchern beschrieben ist. Aber auch viele andere alte kunsthandwerkliche Kreationen, von denen keine exakten Darstellungen existieren und von denen nicht genau bekannt ist, wie sie einmal ausgesehen haben, dienten als Grundlage für Spielzeuge. In Taiwan hat ein Zusammenschluss von Interessierten 20 Jahre lang altes chinesisches Kunsthandwerk genau unter die Lupe genommen, die exakten Formen nachempfunden und daraus Spielzeug kreiert, mit dem Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen und dabei noch etwas lernen können.


Die Armillarsphäre, mit der man Sterne beobachten kann, wurde von Zhang Heng erfunden, der auch als Da Vinci des Ostens bezeichnet wird. Mit dieser Kugel, die damals State-of-the-Art war, lassen sich die vier Himmelsrichtungen sowie Längen- und Breitengrade bestimmen – ein wahres Wunderwerk also. Sie wird aktuell in vielen Grundschulen und weiterführenden Schulen als Lehrmittel eingesetzt, um Schülern die Geschichte der Astronomie zu vermitteln.


Ebenso wurde eine Armbrust aus der Han-Dynastie, die bereits im Kampf gegen die Hunnen zum Einsatz kam und ein wenig an die heutige Nerf Gun erinnert, vollständig reproduziert. Dies hat geradezu für ein Revival fernöstlicher Kulturtechniken und Handwerkskünste auf der ganzen Welt geführt. (Arnos Design)

2. Eagle’s Home weckt den Forschergeist im Kind

Die Corona-Pandemie hat die Art und Weise, wie Kinder lernen, grundlegend verändert. Viele interessante Aktivitäten, die früher zwangsläufig im Klassenzimmer stattfinden mussten, können heute auch von zu Hause aus umgesetzt werden. So können Kinder z.B. ihre Lieblingsexperimente im heimischen Labor durchführen, das Eltern ganz leicht zusammenbauen können.

Julie, die Gründerin von Eagle’s Home, ist selbst Mutter von drei Kindern. Während der Pandemie hat sie viel Zeit mit ihren Kindern verbracht und festgestellt, dass wissenschaftliche Experimente für Kinder genauso spannend sind wie z.B. Zaubertricks.

Wenn Kinder ein wissenschaftliches Experiment beobachten, wird ihre Neugier geweckt und es werden viele Fragen gestellt. Außerdem wiederholen Kinder Experimente gerne. Im Rahmen dieser Wiederholungen können sie nämlich Rückschlüsse ziehen und die Versuchsanordnung variieren. Als Julie ihre Kinder beim Experimentieren beobachtete, hatte sie einen Geistesblitz: „Ist das nicht genau das, was wir für unsere Kinder wollen?“. Für Julie war es unheimlich befriedigend, ihre Kinder dabei zu begleiten, sich spielerisch mit wissenschaftlichen Experimenten zu beschäftigen. Dementsprechend lautet auch die Markenphilosophie: „Es geht nicht darum, aus Kindern Spitzenwissenschaftler zu machen, sondern ihr wissenschaftliches Interesse zu wecken!“.

Die Spielzeuge von Eagle’s Home basieren hauptsächlich auf wissenschaftlichen Experimenten, wie z.B. Make Own Bouncy Space Balls, – ein Do-It-Yourself-Kit, mit dem Kinder Kugeln herstellen können, die wie die acht Planeten aussehen. Oder das Science Lab mit 24 Experimentiersets in einer Box und The Rock Clay. Hier lassen sich aus Ton verschiedene Gestalten formen. Ist der Ton erst einmal ausgehärtet, ist er im wahrsten Sinne des Wortes steinhart – daher der Name Rock Clay. (Eagle’s Home)

3. Carpenter – Aus Liebe zum Werkstoff Holz

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Holzklötze üben auf Kinder eine magische Anziehungskraft aus. Nicht zuletzt deswegen gibt es mit Carpenter auch in Taiwan einen Spielzeughersteller, der ausschließlich mit Holz arbeitet. In den 1970er und 1980er Jahren befanden sich die holzverarbeitenden Betriebe Taiwans hauptsächlich in Taichung, einer Stadt im Landesinneren. Der Vorgängerbetrieb von Carpenter kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und produzierte früher Rahmen für japanische Buntglasfenster.
Als dann Arbeitskräfte in Taiwan immer teurer wurden, wanderten die holzverarbeitenden Betriebe nach und nach ins Ausland ab. Dadurch geriet der Gründer von Carpenter, der Vater des jetzigen Eigentümers Jerry, in schwieriges Fahrwasser. Nach langem Hin und Her machte Carpenter aus der Fabrik eine Zimmermannswerkstatt, in der Kinder und Eltern sich vor Ort ein Bild über Handwerk und Produkte machen können.

2005 brachte das Unternehmen zahlreiche Spielwaren aus Holz auf den Markt. Das Besondere an Carpenter ist, dass der Betrieb nebenbei auch einen Ort bietet, an dem Kinder zusammen mit ihren Eltern die Produktion der Holzspielzeuge aus nächster Nähe beobachten können. Alle Hölzer, die bei Carpenter eingesetzt werden, werden direkt in die Werkstatt angeliefert. Um Verletzungen zu vermeiden, ist das Produktionsverfahren für die Holzspielzeuge genau durchdacht und streng geregelt. Auf Färben, Wachsen oder Lackierungen wird bewusst verzichtet, damit die Kinder noch die Textur und den Geruch des Holzes wahrnehmen können, wenn sie das Spielzeug in Händen halten. Beim Spielen mit Holz gehen sie eine Verbindung mit der Natur ein. Dass das verwendete Material bewusst in seinem Urzustand belassen wird, passt perfekt zum Trend Toys go Green der Spielwarenmesse. (Carpenter)

In Taiwan hat man in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr daran gearbeitet, Spielzeug zu konzipieren, das die kindliche Entwicklung fördert. Viele dieser Spielzeuge sind z.B. auf der taiwanesischen Plattform Toybrains.com zu sehen. Dort werden Spielwaren vorgestellt, die die Entwicklung des Gehirns von Kindern bestmöglich fördern. Zahlreiche taiwanesische Marken haben bereits international renommierte Awards im Rahmen der Spielwarenmesse abgeräumt. Man denke nur an QBI, PLAYME oder GIGO/Genius Toys Taiwan.

Info Reise-Tipp: Taiwan Toy Museum

Immer einen Besuch wert ist das Taiwan Toy Museum, das sich in Banqiao im Norden des Landes befindet. Es wurde vor 20 Jahren gegründet und präsentiert neben vielen alten handwerklich gefertigten Spielwaren aus den frühen Tagen, als Taiwan noch ein landwirtschaftlich geprägtes Land war, auch viele neue Exponate bis hin zu MINT-Spielzeug. Wer das Museum betritt, begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Wenn man sich anschaut, welche Entwicklung Spielsachen durchlaufen haben, entsteht eine Verbindung zwischen Menschen und Generationen und es werden gemeinsame Erinnerungen begründet und emotionale Bande geknüpft.