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Zukunftsmuseum in Nürnberg macht Lust auf Technik

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das Auto der Zukunft

„Wir sind als Technikmuseum etwas Besonderes“, zeigt sich Marion Grether überzeugt. „Besucher können sich mit innovativen Ansätzen in die Technik reindenken.“ Unter den rund 250 Exponaten finden sich beispielsweise Prototypen oder Studien aus Industrie und Hochschulforschung. Sie zeigen, wie nahe manch technische Machbarkeit bereits gerückt ist. Das demonstriert anschaulich beispielsweise der „Pop. Up Next.“, eine Studie für das Auto der Zukunft. Die Fahrerkabine kann sich einerseits klassisch wie ein Auto auf der Straße bewegen. Andererseits lässt sich die Kabine von seinem Unterbau abkoppeln, um sich wie eine Drohne durch die Luft zu bewegen.

Lebensnahe Themenwelten

Der Museumsneubau im Herzen der Nürnberger Altstadt zeigt auf rund 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche fünf Themenwelten. Sie stehen unter der Überschrift „Arbeit und Alltag“, „Körper und Geist“, „System Stadt“, „System Erde“ sowie „Raum und Zeit“. Auch wenn es zunächst etwas technisch klingt, „alle Bereiche haben unmittelbar oder mittelbar mit dem Leben ganz normaler Bürger zu tun“, hebt die Museumsleiterin hervor. Manchmal geht es um das Wohnen der Zukunft oder um Medizintechnik, die menschliches Leid abmildert. Oder es geht um den uralten Traum der Menschheit, das Weltall zu entdecken oder ferne Planeten zu besiedeln.

Daher sind einige Exponate tatsächlich Science, während anderes noch mehr Fiction sind. Ein dezentes Führungssystem quer durch die Ausstellung zeigt den Besuchern, ob es sich eher um technische Realität oder eine bislang technische Utopie handelt. 

Jugendliche im Zukunftsmuseum

Technik durch Gamification verstehen

Staunen und Entdecken ist das eine, das Mitmachen das andere. Für Grether ist klar, dass man heute als Museum ohne Interaktion gerade die junge Zielgruppe kaum mehr erreicht. So bekommen Besucher beispielsweise bereits am Eingang ein Armbändchen, mit denen sich in den einzelnen Ausstellungsbereichen die eigenen Zukunftsinnovationen digital sammeln lassen. Am Ende lässt sich dann individuell auswerten, welche Zukunft man mit den ausgewählten Objekten kreieren würde. „Das ist eine relativ niederschwellige Form der Gamification.“ 

VR-Technologie im Zukunftsmuseum

Andere spielerische Ansätze finden sich bei einem Roboterarm, dem man ein bestimmtes Bewegungsmuster antrainieren kann. Um die Übertragungszeit der Funksignale von der Erde zum Mars von immerhin elf Minuten erfahrbarer zu machen, können Besucher sich selbst an der Station des Mars-Rover-Modells ausprobieren. Diese Erfahrungsstation verzögert die Steuerung nur um ein paar Sekunden, macht aber so das Lenken zu einer kniffligen Aufgabe. Man kann auch mit einem Fragespiel versuchen, ob die Antworten von einem Menschen oder einer Künstlichen Intelligenz kommen. Oder man bewegt sich mit einer VR-Brille (virtuelle Realität) durch einen eigenen Raum und sieht Nürnberg im Jahr 2050. Unter Aufsicht zweier animierter Wissenschaftler in Drohnenform gilt es dann Gegenstände einsammeln und zurück in die Gegenwart schicken.

Diskurs über unsere Zukunft

Wollen wir das, was technisch möglich ist? Diesen Diskurs stoßen viele Exponate immer wieder an. Das kann beispielsweise die motorisierte Plüschrobbe sein, die alte, einsame Menschen zur Interaktion animieren will. Besucher können auch vor einem Fenster mit vielen Pflanzen, diejenigen virtuell aussortieren, die sich nicht für „lebenswert“ halten. Oder man wird auf das Thema Ernährung der Weltbevölkerung und die Zukunft des Trinkwassers gestoßen. „In Mitteleuropa glauben wir ja noch, dass dieses lebenswichtige Element nicht bedroht oder knapp ist“, unterstreicht Grether. Damit verbunden sind Aspekte, ob Wasser als Allgemeingut privatisiert werden darf. 

Außerdem bietet das Zukunftsmuseum sogenannte interaktive Denktouren an. Statt eines vorgefertigten Themeninputs für Besucher bestimmen Gruppen selbst, bei welchen Exponaten sie ethische Fragen diskutieren wollen. 

Zusätzlich entwickelt eine Nürnberger Firma aktuell ein Leitsystem für blinde und sehbehinderte durch das Zukunftsmuseum. Eine Datenbrille erfasst den Standort des Besuchers und navigiert ihn akustisch zu seinem Ziel.

Gelungene Architektur

Architekt Volker Staab hat, wie bereits das außergewöhnlich gestaltete Staatliche Museum für Kunst und Design Nürnberg, das Zukunftsmuseum mit Sichtbeton-Optik faszinierend an die Umgebung angepasst. Zugleich hat er in der Altstadt eine neue Laufachse mit italienischem Flair geschaffen. Es lohnt sich, einen Blick von außen und vor allem eine Entdeckungsreise durch das Innere beim nächsten Aufenthalt in Nürnberg einzuplanen.

Info

Besuch im Zukunftsmuseum Nürnberg

Wer bei einem Besuch in Nürnberg Zeit sparen möchte, sichert sich vorab digital ein Ticket und beachtet die dann gültigen Hygieneregeln. 

Zukunftsmuseum Nürnberg 

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